Zum 40. Geburtstag des CBGBs

CBGBDas CBGBs nach der Schließung (Foto: Sean O’Brien/twsbiz.com | Lizenz: CC BY-SA 2.5)

„It’s the archetypal, the ur, dim and dirty, loud, smelly and ugly nowhere little rock ’n’ roll club.“

Ein schmutziger Rock’n’Roll-Club wie er im Buche steht: laut, schummrig und muffig – das war das CBGBs. So schreibt Richard Hell in einem Nachruf auf den legendären Laden an der Bowery in Manhattan. Es war ein Club wie man ihn so oft in großen Städten findet, doch er hatte etwas ganz Besonderes. Den sagenumwobenen Charakter hat er sich in seinen Anfangstagen erspielt. Oder vielmehr haben das andere für das CBGBs getan.

Als Hilly Kristal am 10. Dezember 1973 die Türen auf der Bowery aufsperrte, konnte er nicht ahnen, welchen Ruf sein neuer Laden mal haben sollte. Kristal war selbst Musiker und hatte in den 60ern das Central Park Music Festival aus der Taufe gehoben. Nachdem seine Bar „Hilly’s On The Bowery“ schließen musste, wollte er ein Lokal eröffnen, in dem auch Live-Musik gespielt werden konnte. Musik, die er selbst mochte, nämlich Country, Bluegrass und Blues. So kam der Laden zu seinem Namen: CBGB & OMFUG steht für „Country Bluegrass Blues and Other Music For Uplifting Gormandizers“ – „Country, Bluegrass, Blues und andere Musik für versierte Kenner“.

Doch hier wurde nicht in die Mottenkiste gegriffen, im CBGBs kamen in den 70ern ganz neue Töne zum Klingen. Es wurde zum Dreh- und Angelpunkt der Punk- und Post-Punk-Szene. Patti Smith, Television und Blondie spielten hier einige ihrer ersten Konzerte. Und die Liste ist noch viel länger. Von den Ramones existiert eine besondere Live-Aufnahme ihres Konzerts im CBGB von 1977. Viele Bands zollten dem Club in Songs Tribut, zum Beispiel die Talking Heads in „Life During Wartime“. Viele Geschichten ranken sich um die Zeit, als in den schmutzigen Straßen der Lower East Side eine große Aufbruchstimmung herrschte und stets neue, aufregende und laute Bands auf den Plan traten.

Der Club blieb am Puls der Zeit: In den 80er Jahren fanden sich viele Hardcore-Bands im CBGBs ein, und das traditionell am Sonntag. Beim sogenannten „matinee day“ standen unter anderem die Bad Brains, Sick Of It All und auch die Beastie Boys auf der Bühne. Die Attraktivität des Ladens riss nie ab. Junge Bands fühlten sich geehrt, wenn sie hier einen Auftritt ergattern konnten. Die Räume des CBGBS waren sowas wie die heiligen Hallen des rauen Rock’n’Rolls.

Doch leider hat die Geschichte des Clubs ein Ende. Im Jahr 2006 musste Hilly Kristal das CBGBs schließen. Die Lower East Side war da schon längst nicht mehr schmutzig und verwegen, sondern aufpoliert und schick. Ein Streit um eine Mieterhöhung führte dazu, dass die Türen des Clubs am 15. Oktober 2006 ein letztes Mal für’s Publikum auf- und zugingen. Patti Smith spielte das Abschlusskonzert. Das CBGBs wird für immer im Gedächtnis von Punk und Rock’n’Roll verwurzelt bleiben.

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Diskussionen

1 Kommentar
  1. posted by
    hummelinho
    Dez 19, 2013 Reply

    Moin, kurze Frage: In welcher byteFM-Sendung habe ich denn am ehesten die Chance, CBGB-Musik zu hören (d.h. Punk + Hardcore)?

    Danke!

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