Levin Goes Lightly – „Rot“ (Rezension)

Von Dirk Domin, 4. November 2021

Bild des Albumcovers von

Levin Goes Lightly – „Rot“ (Tapete Records)

8,1

„Setz mir Deinen Schuss, gib mir Deinen Kuss“ ist eine der ersten Zeilen des ersten Stücks „Liebhaber“ auf dem neuen Album „Rot“ von Levin Goes Lightly aus Stuttgart. Es muss direkt zu Beginn erwähnt werden, dass der Autor dieser Zeilen noch nie ein großer Fan von deutschsprachiger Musik war und doch wird „Liebhaber“ in Dauerschleife gehört und das Stück entwickelt sich darüber hinaus zu einem der schlimmsten Ohrwürmer der letzten Zeit.

„Rot“ ist nach zwei Jahren ein weiteres Album von Levin Goes Lightly, der nun nicht mehr Solo-Künstler ist, sondern Musik mit Band macht und auch mit Band auftritt. Levin Stadler trägt gerne Lippenstift, mag Diskomusik, ist mit The Cure und Roxy Music aufgewachsen und hat eine ausgeprägte Vorliebe für eine gute Wortwahl und all das hört man auf seinem neuen Album. Über Zeilen wie „Du flüsterst mir in die Augen, ich flüster Dir zurück“ muss man nachdenken, um dann zu schmunzeln und vielleicht in Romantik zu verfallen. Was schon deshalb passt, weil die Zeilen aus dem dritten Stück des Albums namens „Romantik“ stammen. Es ist das heimliche Titelstück, nicht zuletzt wegen der ebenfalls einprägsamen Zeile „Ich sehe rot, doch nicht aus Wut“.

„Du flüsterst mir in die Augen, ich flüster Dir zurück“

Dazu gibt es stets einen deutlich von den 80er-Jahren beeinflussten Sound mit ausladenden Gitarren, einprägsamen Bassläufen und teils lässigem, teils hektischem Schlagzeug. Nicht nur bei „Liebhaber“ sind Assoziationen zu Falco sofort da und „All Cats Are Beautiful“ könnte glatt ein neuer Song von The Cure sein. „Ich schäme mich, ich schäme mich, ich schäme mich, ich schäme mich, ich schäme mich – am liebsten vor Dir“ ist dann erneut eine Zeile, die hängenbleibt – aus dem auf tolle Weise flirrenden und schwebenden Stück „Geschichten“.

Dieses Flirren ist ein roter Faden des Albums „Rot“ und es ist nur konsequent, dass „Flirren“ ein weiterer Höhepunkt dieses leider nur aus neun Stücken bestehenden Werks ist. „Flirren“ ist wohl das beste Beispiel für Levin Stadlers „Sehnsucht nach Berührung, Ekstase, Nähe, Lärm“, wie er selber die Idee des Albums formuliert.

Das Album schließt mit „Knowing Me, Knowing You“ – und um Fragezeichen im Kopf direkt zu beseitigen: Ja, es ist eine Cover-Version des ABBA-Klassikers und von solchen Klassikern (das haben schon Cover-Alben zu The Velvet Underground, Nirvana und anderen gezeigt) sollte man im Grunde einfach die Finger lassen. Das gilt auch für dieses Schlussstück des ansonsten wirklich sehr spannenden Albums des jungen Stuttgarters.

Veröffentlichung: 5. November 2021
Label: Tapete Records

Bild mit Text: Förderverein „Freunde von ByteFM“

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