Marissa Nadler – „For My Crimes“ (Album der Woche)

Marissa Nadler – „For My Crimes“ (Album der Woche)

Marissa Nadler – „For My Crimes“ (Bella Union)

Es ist ein Motiv beinahe so alt wie die Pop-Musik: der Song über einen zum Tode verurteilten Kriminellen, der in der Zelle auf das unausweichliche Ende wartet und sein Leben ein letztes Mal reflektiert. Von Hank Williams über Johnny Cash bis zu Nick Cave haben sich schon allerlei Größen an „Death Row Songs“ versucht. Auch „For My Crimes“, das neue Album von Marissa Nadler, beginnt mit genau so einem Song. Was die Folk-Künstlerin aus Washington all diesen Männern voraus hat: entwaffnende Empathie.

„Please don‘t remember me“, ist das letzte Flehen ihrer reuevollen Hauptfigur. Ein zartes Zittern liegt in ihrer Stimme, während ein tieftrauriges Cellomotiv und die weit entfernt klingende Stimme ihrer Freundin Angel Olsen eine tröstende musikalische Umarmung um diesen Refrain legen. Und das alles ist so schön und so traurig, dass man ein bisschen schlucken muss. Oder sogar ein bisschen mehr.

„For My Crimes“ ist eigentlich ein Trennungsalbum. Trotzdem eröffnet Nadler ihr achte Platte mit diesem Plädoyer aus dem Todestrakt. Die persönliche Trauer mischt sich mit Mitgefühl. „I Can‘t Listen To Gene Clark Anymore“ singt sie im zweiten Song und wer schon einmal eine Lieblingsband mit seinem Ex-Freund oder seiner Ex-Freundin geteilt hat, versteht, was sie meint.

So schön, so traurig

Zum Glück hat Nadler einige MitstreiterInnen dabei, die sie durch diese schmerzvollen Songs begleiten. Neben der bereits erwähnten Angel Olsen sind auch die Stimmen von Sharon Van Etten und Dum-Dum-Girls-Sängerin Kristin Kontrol zu hören. Bei „Blue Vapor“ sorgt zudem Ex-Hole-Schlagzeugerin Patty Schemel für einen schweren Puls, während Avantgarde-Künstlerin Janel Leppin die Streicher beisteuert. Ergänzt wird das Klangbild von einem düsteren Saxophon, gespielt vom ehemaligen Morphine-Mitglied Dana Colley – übrigens dem einzigen (!) männlichem Musiker auf dieser Platte.

„For My Crimes“ ist kein leichtes Album geworden, keine Platte die man beim Saubermachen im Hintergrund auflegt. Es ist ein Album voller Schmerz und Schönheit, das viel Zeit braucht und verlangt, in das man tief eintauchen kann und muss – auf die Gefahr hin, sich für immer in ihm zu verlieren.

Veröffentlichung: 28. September 2018
Label: Bella Union

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Diskussionen

2 Kommentare
  1. posted by
    Jensen
    Sep 27, 2018 Reply

    Verlost ihr die Alben der Woche eigentlich nicht mehr regelmäßig? Das war mal Montag morgens ein angenehmes Ritual…;)

    • posted by
      ByteFM Redaktion
      Sep 27, 2018 Reply

      Lieber Jensen, die Verlosung gibt es immer noch, aber in unregelmäßigen Abständen. Einfach dafür unseren Facebook-Account im Blick behalten! 🙂
      Liebe Grüße,
      dein ByteFM

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