Album der Woche: of Montreal – "Lousy With Sylvianbriar"

of Montreal - Lousy With SylvianbriarVÖ: 11. Oktober 2013
Web: ofmontreal.net
Label: Polyvinyl

“ Like the classic albums that inspired it, this is an album to be explored, to be lived with, to be listened to in happiness and in darkness, to be dissolved into. To be played very loudly at parties and with eyes closed, in headphones, alone. It should become dog-eared and dirty with use and it should lessen the blow of our enemies, in all of their forms.“

„Lousy With Sylvianbriar“ ist das mittlerweile zwölfte Studioalbum der Band um Kevin Barnes. Dieser gründete 1996 of Montreal als eine Art Soloprojekt in Anlehnung an eine gescheiterte Liebschaft mit einem Mädchen „of Montreal“. Seitdem wechselte die Besetzung ebenso häufig wie sich der Musikstil ihrer Musik veränderte. Doch seit Gründung ist Kevin Barnes der künstlerische Dreh- und Angelpunkt, der mit unerschöpflicher Ausdauer nahezu im Jahrestakt neue Alben produziert.

Für das neue Album hat sich Barnes auf die Anfangszeit seines musikalischen Schaffens besonnen und die Ausflüge in elektronische Spielrichtungen hinter sich gelassen. Er holte sich für die Aufnahmen Rebecca Cash, Clayton Rychlik, Jojo Glidewell, Bob Parins und Bennet Lewis ins hauseigene Studio. Zusammen nahmen sie das Album ohne Unterstützung von Computern nur mit einer 24-Track Tape Machine, einem Mehrspurrekorder, auf.

Barnes wollte das Album wie in den späten 60er- und frühen 70er-Jahren aufnehmen. Als Inspiration dienten ihm, durchaus erkennbar, Grateful Dead, Bob Dylan aber auch die Country-Rock-Band The Flying Burrito Brothers. Und so ist das Album mit seinen elf Titeln eine in sich schlüssige Hommage an den Rock der 60er- und frühen 70er-Jahre.

Angefangen beim Openener „Fugitive Air“ bis hin zum Abschluss „Imbecile Rages“ groovt das Album in gelassener Einfachheit von Track zu Track. Dabei ist der Sound weitaus mehr von den Texten beeinflusst als auf den Vorgängerscheiben „False Priest“ und „Paralytic Stalks“. Der zweite Titel „Obsidian Currents“ fällt dabei leicht aus der Reihe, da er mit seinem gemächlichen Tempo und einem Hauch von Melancholie an David Bowie in den 70er-Jahren erinnert. Mit „Belle Glade Missionaries“ fügt Kevin Barnes dann ein wenig persönliche Gesellschaftskritik hinzu, die auch ohne erhobenen Zeigefinger auskommt.

„They’re letting children get blown up in the schools today / So they can get them back into their factories / You know it pains me to see you all being so betrayed / But I guess you’ll never know, so it doesn’t matter.“

Elegant springen die Texte von purem Optimismus zu zynischen Beobachtungen und trotzigem Protest. Und auch der Sound wechselt von gelassen und frohmutig bei „Amphibian Days“ hin zu emotional und teils stürmisch bei „She Ain’t Speakin’ Now“.

„Lousy With Sylvianbriar“ ist ein facettenreiches Album, welches auch bei wiederholtem Hören nicht an Anziehungskraft verliert. Im Gegensatz zum direkten Vorgänger „Paralytic Stalks“, der durch Experimentierfreudigkeit und Vielschichtigkeit auffällt, kommt die neue LP unaufgeregter und insgesamt abgeschlossener daher.

Das ByteFM Album der Woche.

In den ByteFM-Magazin-Sendungen spielen wir täglich Musik aus unserem Album der Woche. Die ausführliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „of Montreal“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

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