Roskilde Festival: Sonntag

©Per Lange
©Per Lange/Roskilde Festival

Am Sonntag sind die Wettergötter über Roskilde endlich positiv gesonnen. Auch wenn der Sonntag ein gegenüber den beiden Vorgängertagen leicht abgespecktes musikalisches Programm bereit hält: Es ist der heißeste und vom Wetter her eindeutig angenehmste Tag des Festivals, der auch keinen Tropfen Regen bringen wird. Während der Rest der deutschen Mediendelegation inkl. den anderen drei ByteFM-Besuchern Christa Herdering, Christoph Möller und Patrick Ziegelmüller bereits am Nachmittag die Rückreise nach Hause antritt, nehme ich als süddeutscher Fluggast und Roskildenovize den Sonntag komplett mit.

Wir sind alle früh wach – trotz feucht-fröhlicher und langer Vornacht, weil das Klima im Zelt schnell tropische Temperaturen erreicht. Pünktlich um zwölf Uhr betreten wir das Gelände und I was King aus Norwegen die Bühne. Sie sehen aus wie das Klischee einer Studenten-WG und bedienen sich ohne große Originalität im bunten Baukasten des netten Indiepop, irgendwo zwischen Teenage Fanclub, Delgados und Belle & Sebastian. Der frühen Uhrzeit und dem prima Wetter angemessen schrammeln kurz später auf einer Nachbarbühne Surfer Blood aus Florida hinterher. Der Bandname lässt Dekonstruktion und Beach Boys vermuten, letztere kann man bei den vier Buben noch erahnen, aber noch vielmehr eine typisch amerikanische Goodfeel-Haltung, wie man sie auch von Weezer kennt.
So könnte es jetzt auch weitergehen, aber dann wäre dieser Festivaltag vielleicht doch arg schnell vergessen. Simpel und mit Schmackes, aber nicht ohne den Spuren der Mühlen der Zeit präsentieren sich auf der großen Bühne die Punkrock-Dinos von Bad Religion.

Deutlich anspruchvoller geht es währenddessen im Gloria zur Sache. Eines der Highlights des Tages ist das dortige Konzert des 31 Knots-Seitenprojektes Tu Fawning aus Portland, die nach jedem Song die Instrumente tauschen und durch ein hohes Maß an Konzentration, durch Erfüllung der Geschlechterparität, durch viel Abwechslung, intelligentem Songwriting und viel Dynamik in ihren Songs auffallen. Demnächst auch auf Deutschlandtournee, präsentiert von ByteFM.

Sonntags sind die Pforten traditionell offen für die älteren Bewohner von Roskilde. Die erfreuen sich an Musik aus aller Welt (Yemen Blues, Afrocubism, Anibal Velasquez), während auf der Hauptbühne Dänemarks bekanntester HipHop-Act L.O.C. und My Chemical Romance mit Punk-Pop eher den Mainstream bedienen.

Mittendrin dann aber doch noch ein feiner Electronicer wie der Gold Panda, der bei saunartigen Temperaturen sein „Lucky Shiner“-Album als eher unprätentiöser Knöpfchendreher präsentiert und leider nicht auf die dafür geeignete Kellergewölbestruktur des Gloria eingeht. Da wirkt der chilly-gloomy Electronica-Gig zwischen Ambient und Dubstep des ebenfalls als One-Man-Artist auftretende Desolat zu späterer Stunde an gleicher Stelle im Gesamteindruck mit gut abgestimmten Videoprojektionen homogener.

©Morten Kjær
©Morten Kjær/Roskilde Festival

Deutlich lebhafter geht es zu bei Janelle Monaé und ihrer teils durch-choreographierten Show zusammen mit einer vielköpfigen Orchesterband. Sie vollführt eine extravagant eingekleidete und frisierte Soul-Space-Age-Show, wie man sie nicht alle Tage zu sehen bekommt, gepaart mit den klasse Songs ihre Konzeptalbums „The Archandroid“. Der Pubkikumsandrang vor der Cosmopol-Bühne ist riesig, die vergleichsweise größere Arena bei den Battles fast halb leer. Ganz nah beieinander in der Mitte der großen Bühne spielen die drei New Yorker ein mitreißendes, für rythmisch Zartbesaitetete vielleicht auch anstrengendes Konzert. Die hauptsächlich männlichen Connaisseure lieben sie dafür. Eine Band, die die hoch wie das Becken des Drummers gehängten an sich selbst spielerisch gestellten Ansprüche auch bei der Liveumsetzung locker erreicht.

Ab 21 Uhr gibt es keine Alternativen mehr, die Zeit der Söhne eines Wanderprediger ist gekommen. Es fällt den Kings of Leon nicht schwer, für den Abschluss des musikalisch vielleicht harmlosesten Tages in Roskilde zu sorgen. Die sind eindeutig Born in the USA. Ehrliche Burschen, die auch Gefühl zeigen und ihr Publikum über alles lieben. Caleb Followill führt mit latschigem Tennessee-Slang und krisper Stimme durch eine Rock-Show, die in den schlimmsten Momenten an Bryan Adams erinnert, manchmal an eine US-Antwort auf U2 und in den Momenten der Songs ihre Albums „ Because of the Times“ wie ein nicht erfülltes Versprechen. Die Leute haben an diesem soliden Sound aber ordentlich Spaß.

Danach ist Roskilde 2011 schon fast Geschichte, die Essens- und Getränkestände schließen schnell nach Konzertende und man hört die ganze Nacht lang die Züge quietschen, die die Menschenmassen zurück aus der Festivalillusion in ihre Realitäten transportieren.

Die setzte sich 2011 aus 82 Prozent dänischen Landsleuten zusammen, Norweger und Schweden kommen lieber als Deutsche, von denen laut Festivalleitung rund 2000 da gewesen sein sollen. Auf vier Festivalbesucher kommt in Roskilde ein freiwilliger Helfer, das ist nur möglich, weil das Roskildefestival eine Non-Profit-Unternehmung ist. Die Bewirtung übernehmen lokale Vereine und Lokalitäten, die Breite und Qualität des Essensangebots ist bemerkenswert und auch für Vegetarier für Festivalverhältnisse traumhaft abwechslungsreich. Den auch dieses Jahr erwirtschafteten Gewinn (letztes Jahr waren es ca. 2,5 Millionen Euro) führt das Festival wie jedes Jahr einem guten Zweck zu.

Leider ereignete sich am Sonntag auch ein tragischer, laut Aussage der dänischen Polizei bis dato als Unglück einzuordnender Todesfall, als eine Berlinerin nackt von einem Turm aus ca. 30 Meter Höhe stürzte. Unklar ist, wie die Frau unbekleidet auf den Turm gelangen konnte.

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Diskussionen

3 Kommentare
  1. posted by
    czes
    Jul 5, 2011 Reply

    ich hatte meinen handfesten ersten sonnenbrand dienstag auf der skaterbahn. verregnet und das auch noch ziemlich stimmungsAUFhellend beim publikum war das ausserordentliche gewitter mit blitzen von vorn, hinten, rechts und links gefuehlt gleichzeitig.

    kings of leon waren der schlechteste abschluss nach meinem geschmack.

    Teile entfernt.
    Bitte äußert Kritik sachlich und verzichtet auf Polemik.
    Vielen Dank. Die Redaktion

  2. posted by
    czes
    Jul 6, 2011 Reply

    DANN muesst ihr den komment aber ganz entfernen. fakt ist, dass hier in einer art berichtet wird, die nix mit konstruktiver kritik zu tun hat, eher mit schulzeitungsniveau. aber gut, kenne euren sender nicht. leider (!) gebt ihr in google ein gutes suchergebnis und mit EURER beschreibung hatte roskilde 2011 einfach nichts zu tun.

  3. posted by
    czes
    Jul 6, 2011 Reply

    unklar ist, wie man die frage aufwerfen kann, wie es einer unbekleideten frau „gelungen ist“ auf den turm zu kommen. WARUM DENN NICHT?

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