Ty Segall – „Emotional Mugger“ (Rezension)

Cover des Albums Emotional Mugger von Ty SegallTy Segall – „Emotional Mugger“ (Drag City)

In den 1960ern, als die Popkultur noch in ihren Kinderschuhen steckte, herrschte eine Veröffentlichungspolitik, die den MusikkonsumentInnen kaum Zeit zum Durchatmen ließ. Ein bis zwei Alben pro Jahr waren für Bands wie die Beatles, die Rolling Stones oder T. Rex keinesfalls ungewöhnlich, sondern eher Normalität. Dass Ty Garrett Segall vermutlich gerne zu ihren Zeitgenossen gehört hätte, ist ein Verdacht, der sich dem geneigten Beobachter immer wieder mal aufdrängt – schließlich ist „Emotional Mugger“ sein achtes Soloalbum in acht Jahren (allein seit August 2014 erschienen zwei Alben, zwei EPs, ein Livealbum und ein T.-Rex-Coveralbum).

Aber nicht nur am Veröffentlichungszyklus dieser Zeit orientiert sich der 28-jährige Kalifornier, auch musikalisch sucht er nach wie vor die Nähe zum Psychedelic-, Garage- und Glam-Rock der späten 60er- und frühen 70er-Jahre. Das äußert sich in einem gewohnt kruden Vintage-Sound, massenhaft übersteuerten Gitarren und der exzessiven Verwendung seines liebsten Effektpedals, das seine Songs stets in einen fuzzy Nebel hüllt. Eine ästhetische und technische Rückwärtsgewandtheit, die sich von Beginn an wie ein roter Faden durch sein Schaffen zog. So veröffentlichte er beispielsweise „Horn The Unicorn“ aus dem Jahr 2008 zunächst nur auf Kassette. Und als er „Emotional Mugger“ im November des vergangenen Jahres offiziell ankündigte, tat er das nicht etwa per Facebook-/Instagram-Post oder Newsletter, sondern indem er Online-Musikmagazinen, wie etwa Pitchfork, eine VHS-Kassette zukommen ließ.

Die Auseinandersetzung mit dem technischen Fortschritt und dessen Schattenseiten bildet quasi auch das thematische Grundgerüst des Albums, das sich mit den diversen Formen von Exzess und Abhängigkeit auseinandersetzt und deshalb auch als lupenreines Konzeptalbum durchgehen kann. Auf dem liefert Segall seinen bewährten, metaphernreichen Garage-Lo-Fi-Noise-Pop, der vielleicht nicht das Prädikat „innovativ“ verdient hat, aber der mit seiner Detailverliebtheit und Energie aus dem Wust an aktuellen Psychedelic-Garage-Rock-Platten ganz klar heraussticht.

Label: Drag City

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