Album der Woche: Jib Kidder – „Teaspoon To The Ocean“

Jib Kidder - Teaspoon To The OceanVÖ: 23. Januar 2015
Web: jibkidder.com
Label: Weird World
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Acid-Country-Pop-Songs: So in etwa könnte man die Stücke auf dem neuesten Album von Jib Kidder bezeichnen. Und dennoch greift diese Charakterisierung viel zu kurz – ist sein Sound doch vielschichtiger als Genrezuschreibungen es je sein könnten. Bunt zusammengewürfelt ist auch die Liste seiner Inspirationen: die legendäre Schriftstellerin und Kunstsammlerin Gertrude Stein, der amerikanische Musiker Lindsey Buckingham und Country-Größe Roy Orbison.

Ähnlich gemischt sind auch die bisherigen Lebensabschnitte von Sean Schuster-Craig, wie der Musiker mit bürgerlichem Namen heißt. Zur Welt kommt er in Louisville, seine Teenager-Zeit verbringt er in Atlanta. Dort trifft er auf seinen Gitarrenlehrer Jimmy, der ihn bestärkt, sein musikalisches Talent auszunutzen. Dann die Wende: Sein Umfeld wird zusehends trostloser, seine Freunde und Jimmy süchtig nach Meth. Als schließlich seine komplette Musikausrüstung von Junkies gestohlen wird, beschließt er, der Stadt den Rücken zu kehren. „I gave up the guitar for years. I’m still not as good at playing as I was as a teenager. I have never made complete peace with the instrument.“

Ein „American-Culture“-Studium in Michigan entpuppt sich schnell als Nebensache: Die meiste Zeit verbringt er in einem ansässigen Radiosender; hört sich Tag und Nacht durch das Musikarchiv; inhaliert die verschiedenen Künstler, Klänge und Kostbarkeiten. Dort trifft er zum ersten Mal Julia Holter, die mit ihrem experimentellen Pop in den letzten Jahren viel Bewunderung findet. So ist es auch kein Zufall, dass Julia Holter zwei Tracks auf „Teaspoon To The Ocean“ ihre Stimme leiht: Eines davon ist das herrlich unbeschwerte „Appetites“, auf dem sich beide Stimmen in liebevoller Vertrautheit ergänzen.

Seit 2006 hat der Musiker bereits zwölf Platten via Bandcamp veröffentlicht und feiert spätestens seit seinem Song „Windowdipper“ erste größere Erfolge, nachdem das Stück in einer bekannten, amerikanischen TV-Show gespielt wird. Sein 13. Album „Teaspoon To The Ocean“ wird nun erstmalig vom britischen Label Weird World veröffentlicht, das andere, außergewöhnliche Künstler wie How To Dress Well, Washed Out und Jaakko Eino Kalevi betreut. Jib Kidder scheint sein passendes Zuhause gefunden zu haben.

Und obwohl der Musiker keinen vollständigen Frieden mit der Gitarre geschlossen hat, greift er in den elf Songs auffallend oft danach: Sei es nun das träumerische „Situations In Love“ oder die zweite Zusammenarbeit mit Holter namens „Illustration“. Die erste Single „Dozens“ wird anfänglich um ein Beach-Boys-Sample komponiert, und selbst nachdem darauf letztendlich verzichtet wird, behält der Song eine subtile West-Coast-Zärtlichkeit. Es zeigt, wie sehr Jib Kidders Musik mit den Gefühlen des Zuhörers spielt, wie viel Raum sie für eigene Träume und Projektionen lässt. Es ist das Album, das man sich lange gewünscht hat, ohne recht zu wissen, wie es klingen soll.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Jib Kidder“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

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