Little Dragon – „Nabuma Rubberband“ (Album der Woche)

Cover von Little Dragon – „Nabuma Rubberband“ (Because Music)

Little Dragon – „Nabuma Rubberband“ (Because Music)

Little Dragon. Diesen zynischen Spitznamen von Sängerin Yukimi Nagano traut man der kleinen Schwedin mit japanisch-amerikanischen Wurzeln gar nicht zu. Tatsächlich kann diese im Studio aber ganz schön wütende und dominante Töne anschlagen. Als einzige Frau zwischen drei männlichen Bandkollegen muss man wohl in der ein oder anderen Situation ein kleiner Drache sein. Zusammen mit dem Drummer Erik Bodin und dem Bassisten Fredrik Wallin machte Nagano schon zu Schulzeiten Musik im heimischen Göteborg. Später kommt der Keyboarder Håkan Wirenstrand dazu und seit 2006 agiert das Quartett unter dem Namen Little Dragon.

Drei Alben hat die Band bisher veröffentlicht, zuletzt „Ritual Union“ im Jahr 2011. Little Dragon haben im Laufe ihrer Karriere erstaunliche Entwicklungen durchgemacht. Mehrere Songs wurden in amerikanischen TV-Serien als Soundtrack verwendet. Namhafte Künstler wie Big Boi, SBTRKT und Raphael Saadiq kollaborierten mit dem Synthpop-Kollektiv bzw. der Leadsängerin. Gorillaz engagierten Little Dragon 2010 gar als Vorband für die „Escape-To-Plastic-Beach“-Tour. Die Popularität und die Erwartungen an das neue Album stiegen ungemein. Mit ihrem jetzt erscheinenden vierten Album „Nabuma Rubberband“ klingen Little Dragon dafür dunkler, wuchtiger und ruhiger denn je.

Inspiriert ist das neue Werk vor allem von leisen Janet-Jackson-Songs und dem unerbittlichen Winter in Göteborg. Diese Melange wird auch gleich zu Beginn des Albums zusammengerührt: Ein eiskalt schlagender Beat und kristallklar klingelnde Synthie-Akkorde eröffnen zusammen mit Naganos charakteristischem Gesang den ersten Song „Mirror“. Auf „Cat Rider“ klingt Naganos Stimme wie eine Kreuzung aus Prince und Janet Jackson, und trotz des gemächlichen Tempos wohnt dem Song eine ungeheure, ja unheimliche Intensität bei. Die zweite Singleauskopplung hört auf den Namen „Paris“ und ist purer Synthie-Pop mit Reminiszenzen an die 80er-Jahre. Der Titeltrack des Albums beinhaltet den Gastauftritt eines Streichquartetts mit Mitgliedern der Göteborger Symphoniker. Dies ist in doppelter Hinsicht eine Rarität, da selten zuvor externe Musiker am Aufnahmeprozess zu einem der Alben von Little Dragon eingeladen waren.

Jeder der zwölf Albumtracks hätte an dieser Stelle eine Erwähnung verdient: Es gibt keinen Song, der zwischen anderen Tracks untergeht oder überflüssig wäre. Trotzdem muss abschließend die erste Single „Klapp Klapp“ erwähnt werden, die Mitte Februar veröffentlicht wurde. Das R’n’B-Pop-Arrangement wird von einem hektisch treibenden Beat und einer eingängigen Synthie-Bassline dominiert und hat echte Ohrwurmqualitäten. Little Dragon verdienen mit „Nabuma Rubberband“ eindeutig mehr als nur ein „Klapp Klapp“.

Veröffentlichung: 9. Mai 2014
Label: Because Music

LITTLE DRAGON "Klapp Klapp" from Taylor Cohen on Vimeo.

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Diskussionen

1 Kommentar
  1. posted by
    Hartmut Graf
    Mai 21, 2014 Reply

    Bei mir hält sich die Begeisterung für dieses Album in Grenzen. Nach drei Alben die konsequent die Entwicklung eines eigenständigen Sounds vorangetrieben haben mit trockenen elektronischen Beats, eine Gradwanderung zwischen Club und Independent, haben Little Dragon mit dem neuen Album irgendwie den Faden verloren. Wer das als Öffnung sehen will, bitte schön!. Aber hier tauchen jetzt doch Soundmuster auf, die wir auch von anderen Clubmusik-Produzenten so oder ähnlich kennen. Vor allem aber hat auch das Songwriting gelitten. Da ist nichts mehr, was wirklich hängen bleibt wie „Little Man“ oder „Recommendation“. Ist da also jetzt die Luft raus? Wäre schade!

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