Der erste Präsident des Pop: John F. Kennedy in fünf Songs

Foto von John F. Kennedy

John F. Kennedy (Foto: NASA, via Wikimedia Commons)

In Zeiten, in denen der Host einer Reality-TV-Sendung zum Präsidenten einer der weltweit größten Wirtschaftsmächte gewählt wird, wundert es niemanden mehr, dass Politik und Pop-Kultur eng miteinander verwoben sind. Der erste Politiker, der die beiden Welten Pop und Politik miteinander verband, war zweifellos John F. Kennedy.

ByteFM Moderator Klaus Walter bezeichnet ihn gar als den ersten Präsidenten des Pop-Zeitalters, als großen Kommunikator, der ein Gespür für die neuen Medien und den massenwirksamen Auftritt hatte. Und genauso wie der am 22. Mai 1917 geborene Politiker die Pop-Kultur umarmte, umarmte sie ihn auch zurück: Bis dato zählt er zu den meistbesungensten US-Präsidenten. Unzählige Pop-Songs widmen sich seinem Leben, seinen Idealen, seinen Frauen und seinem Tod.

Am 22. November 1963, vor genau 55 Jahren, wurde John F. Kennedy erschossen, als er in einem offenen Wagen durch Dallas fuhr. Wir haben fünf bemerkenswerte Songs versammelt, die vom Leben und Sterben des 35. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika beeinflusst wurden.

Lou Reed – „The Day John F. Kennedy Died“

Es gibt Tage in der Geschichte, an denen jeder genau weiß, wo er gewesen ist. Tage, an denen historische Ereignisse eine ganze Kultur in den Stillstand zwingen. Der 11. September 2001 ist so ein Tag. Der Mauerfall auch. Für Menschen, die ihn erlebt haben, ist auch der 22. November 1963 so ein Tag. Lou Reed erinnert sich genau, wo er war: in einer Sportsbar. Im Fernsehen lief ein College-Football-Spiel, als der Bildschirm plötzlich schwarz wurde und eine Stimme verkündete, dass eine Tragödie passiert ist. In nüchternen Worten fängt er in „The Day John F. Kennedy Died“, erschienen auf seinem 1982er Album „The Blue Mask“, die beunruhigende Atmosphäre dieses Tages ein. Der Präsident, der Hoffnung versprach, ist tot – und Reed flieht in die Traumwelt: „I dreamed that there was a point to life and to the human race / I dreamed that I could somehow comprehend that someone shot him in the face.“

The Rolling Stones – „Sympathy For The Devil“

„I shouted out: ‚Who killed the Kennedys?‘ / When after all it was you and me“, sang Mick Jagger im Dezember 1968 in seinem teuflischen Samba-Rock-Hit „Sympathy For The Devil“, 14 Jahre bevor Reed. The Rolling Stones waren eine der ersten Bands, die den Präsidentenmord in einem Pop-Song verarbeiteten. „Kennedys“, Plural, schließlich wurde nur sechs Monate vor der Veröffentlichung des Songs Kennedys Bruder Robert in Los Angeles erschossen. Lee Harvey Oswald und Sirhan Sirhan mögen die Abzüge gedrückt haben, doch die waren Mörder stecken in uns allen, argumentiert Jaggers Teufel.

Marilyn Monroe – „Happy Birthday, Mr. President“

Es ist der 19. Mai 1962, John F. Kennedy wird in zehn Tagen 45 Jahre alt und Marilyn Monroe singt ihm im Madison Square Garden live im Fernsehen das berühmteste vorträgliche Geburtstagsständchen aller Zeiten. „Süß und familienfreundlich“, nannte der berüchtigte Womanizer die Performance verschmitzt im Anschluss. Nein, an diesem Ständchen war nichts familienfreundlich: Die USA schauen zu, während Monroe, gekleidet in ein hautenges Abendkleid, die Vokale lasziv dehnt und ihrem Mr. President dabei tief in die Augen schaut. Monroe war nur eine von vielen Affären des 35. Präsidenten der Vereinigten Staaten – doch bei weitem die spektakulärste. Die begehrteste Frau des Landes schmachtete Kennedy on air an – spätestens ab diesem Moment war er genauso Präsident wie Sex-Symbol.

Tori Amos – „Jackie‘s Strength“

Die First Lady Jaqueline „Jackie“ Kennedy war eine starke Frau. Nur ein paar Stunden, nachdem ihr Ehemann wenige Zentimeter von ihr entfernt erschossen wurde, stand sie bei der Vereidigung seines Nachfolgers Lyndon B. Johnson in der ersten Reihe – und trug immer noch das vom Blut ihres Mannes verunreinigte Kleid. „Sie sollen sehen, was sie Jack angetan haben“, sagte sie. Sie war ihrem Ehemann bis zum Ende loyal, auch wenn er sie mit unzähligen Frauen betrogen hat. Diese Stärke beeindruckte unter anderem auch Tori Amos, die ihr 1998 – vier Jahre nach Jackies Tod – den Song „Jackie’s Strength“ widmete. „Camelot“, wie Jackie einst das Weiße Haus unter Kennedys Präsidentschaft nannte, war ein Ort, an dem viel gelogen, aber auch viel geliebt wurde, singt Amos hier. Sie schrieb den Song kurz vor ihrer Hochzeit, als Gebet dafür, dass sie in ihrer eigenen Ehe genauso stark sein kann wie Jackie Kennedy.

Lana Del Rey – „National Anthem“

John F. Kennedy und seine Frauen inspirierten auch andere KünstlerInnen. Ein jüngeres Beispiel ist Lana Del Rey: Im Musikvideo zu ihrer 2012er Single „National Anthem“ schlüpft die Sängerin sowohl in die Haut von Jackie Kennedy als auch in die von Marilyn Monroe. Zu Beginn stellt sie Monroes Geburstagsständchen nach, im Anschluss alte Familienvideos des Präsidenten-Paares. Erst das Sex-Symbol, dann die Familien-Idylle. Ein weiterer Casting-Coup, der diesem Vintage-Fiebertraum die Krone aufsetzt: John F. Kennedy wird vom afroamerikanischen Rapper A$AP Rocky gespielt. „It’s a love story for the new age“, singt sie über ihre eigenwillige Mischung aus HipHop-Beats und Sixties Pop – und dekonstruiert dazu die Kennedys, eines der ikonischsten Paare des „Old Age“.

Klaus Walter wird das Verhältnis zwischen John F. Kennedy und der Pop-Kultur in einem Gastbeitrag im ByteFM Magazin am 22. November 2018 thematisieren. Mitglieder im Förderverein „Freunde von ByteFM“ können die Sendung in unserem Archiv nachhören.

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