International Music – „Die besten Jahre“ (Album der Woche)

International Music - „Die besten Jahre“

International Music – „Die besten Jahre“ (Staatsakt)

International Music. Klingt wie eine Rubrik in der CD-Abteilung einer großen Elektromarkt-Kette, nach Beliebigkeit und wenig Substanz?! Nun, vermutlich gibt es niemanden auf dieser Welt, dem das egaler ist, als der Band International Music. Das Trio aus Essen braucht keinen prätentiösen Namen, um im Gedächtnis zu bleiben. Von dem ersten flirrenden Gitarrenakkord an, der ihr Debüt „Die besten Jahre“ eröffnet, spinnen Bassist Pedro Goncalves Crescenti, Gitarrist Peter Rubel und Schlagzeuger Joel Roters ein dichtes Netz aus Lakonie, Melancholie, Psychedelia und Post-Punk, in dem man sich als HörerIn nur allzu gerne verfängt.

Zwischen Poesie und Plattitüde

„Der erste des Monats ist auch nur ein Tag“, sinnieren Crescenti und Rubel zu Beginn von „Die besten Jahre“. Die Texte, die sie in ihrem tiefen, an The-Magnetic-Fields-Frontmann Stephen Merritt erinnernden Timbre ausbreiten, sind zum einen charmante Plattitüden, zum anderen melancholische Poesie. Betont nüchterne Aussagen wie „Frauen müssen geil sein / Männer müssen cool sein / Jobs müssen Geld bringen“ gehen Hand in Hand mit großen Zeilen. Eine davon: „Komm her du allerfeinster Unterschied und mach es Dir bequem / Vielleicht findest Du ja hier ein funktionierendes System.“ Ähnlich wie ihre Label-Kollegen Chuckamuck findet diese Band Wahrheit und Schönheit in den einfachen Worten.

Mit seinen sphärischen Tremologitarren und stoischen Schlagzeugbeats offenbart das Eröffnungsstück „Metallmädchen“ sofort die musikalischen Zieheltern dieser Band: Diese schwurbeligen Songs schweben irgendwo zwischen dem vernebelten Space-Rock von Spacemen 3 und dem Kunst-Pop von The Velvet Underground. Doch die 17 Songs von „Die besten Jahre“ sind mehr als nur die Summen ihrer Referenzen. Wie ein Maler mit Pinsel und Farbe (Funfact: Roters ist nicht nur Schlagzeuger, sondern auch Bildender Künstler) nimmt das Trio bekannte Elemente der Pop-Kultur und fügt sie in neuen, aufregenden Anordnungen zusammen.

Bei der Single „Für alles“ sind das beispielsweise der von The Ronettes popularisierte „Be-My-Baby“-Beat und eine stark nach Phil Spector klingende Wall Of Sound, die in den Händen von International Music plötzlich wieder neu und unverbraucht aus den Boxen schallen. Wer solche ausgetretenen Klischees wieder spannend machen kann, der braucht wirklich keinen großspurigen Bandnamen. Der macht einfach Musik.

Veröffentlichung: 27. April 2018
Label: Staatsakt

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Diskussionen

1 Kommentar
  1. posted by
    Der Hesse
    Jan 25, 2019 Reply

    Vielleicht ist schon jemand aufgefallen, daß der Sänger ein bißchen wie die Synchronstimme von Christian Bale AKA „Batman“, David Nathan, klingt. Der spricht auch die Trailer für eine bekannte Radiostation.

    Hier weniger, aber andernorts wird gerne darauf herumgeritten, das alles sein doch irgendwie nur kultiviertes Gaga. Ist vielleicht nur zum Schein so – nicht alles was Gaga daherkommt, muß auch wirklich Gaga sein (keine Anspielung an eine ‚Lady‘ gleichen Namens, sondern Gaga im Sinne von ‚Plemplem‘).

    ‚Farbiges Licht‘ zum Beispiel ist zumindest am Anfang eine Anlehnung an die Falsettgesänge einiger bekannter Britpop-Bands aus den 80ern.

    ‚Tür‘ ist eine Reminiszenz an Rio Reiser, allerdings den ‚Scherben‘-Rio und nicht den, der die ‚König von Deutschland‘-Schlagerscheiße verbrochen hat.

    In ‚Pfeffer‘ wird eine Trommel genannt, deren Wert erfragt wird und ob sie schon repariert worden sei. Für mich eine klare Reminiszenz an Günter Grass‘ Blechtrommel, in der das ‚Oskarchen‘ immer seine zerrissene Blechtrommel repariert bekommen hat – eine politisch intoniertes Buch, doch wo hier die Berührungspunkte zur Musik von International Music sind, bleibt unklar.

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