N.E.R.D. – „No_One Ever Really Dies“

N.E.R.D. – „No_One_Ever_Really_Dies“ (I Am Other/Columbia)N.E.R.D. – „No_One Ever Really Dies“ (I Am Other/Columbia)

4,0

Dass Pharrell Williams viele prominente Freundinnen und Freunde hat, ist wirklich keine Breaking News: Als Teil des Produzenten-Duo The Neptunes definierte er den Sound der frühen Nuller-Jahre, egal ob von Madonna oder Britney Spears, Beyoncé oder Justin Timberlake, Snoop Dogg oder Jay-Z. Und so lesen sich auch die GastmusikerInnen vom Comeback-Album seiner Rap-Rock-Band N.E.R.D wie die Gästeliste einer Grammy-Awards-Aftershowparty: Unter anderem reichen sich hier Rihanna, André 3000, Kendrick Lamar, Frank Ocean als Geheimkollaborateur und der omnipräsente Ed Sheeran die Hand. Ähnlich wie bei dem erwähnten US-amerikanischen Musikpreis drängt sich bei „No_One Ever Really Dies“ jedoch eine unangenehme Frage auf: Ist das noch relevant oder einfach nur redundant?

Sieben lange Jahre sind seit dem vierten N.E.R.D.-Album „Nothing“ ins Land gezogen. Damals ging das Trio um Williams, seinem Neptunes-Kollegen Chad Hugo und Shay Haley weniger dekadent mit der Menge an GastmusikerInnen um – mit mittelmäßigem Erfolg. Dementsprechend war es eine sehr gute Idee, die Strategie zu ändern: Das auf „No_One Ever Really Dies“ versammelte Talent verwandelt einfallslose bis schlechte Songs in potentielle Hits.

So wirkt der überraschend beißende Rap-Verse von Pop-Königin Rihanna am Ende des Opener „Lemon“ wie ein Defibrillator-Schock, der einen aus dem Koma eines müde schnalzenden „Drop-It-Like-It‘s-Hot“-Gedächtnis-Beat aufweckt. Im nächsten Song ist es Thundercat, der mit seiner wie immer immens tighten Bassarbeit den gleichermaßen sterilen wie infantilen Plastik-Funk „Deep Down Body Thrust“ hörenswert macht – genau wie Kendrick Lamar erfolgreich verhindert, dass die Black-Lives-Matter-Hymne „Don‘t Don‘t Do It“ als lahmster Protestsong aller Zeiten in die Geschichtsbücher eingeht.

Dieser Song ist ein treffendes Beispiel für N.E.R.D.s Kampf um die Relevanz: im Kern eine aufwühlende Widmung an Keith Scott, der 2016 in Charlottesville von einem Polizisten erschossen wurde – die jedoch nur durch Lamars wütende und wieselflinke Zeilen Zahn bekommt. Ohne den Westcoast-Rap-Darling ist der Song nur leerer, pseudo-politischer R&B-Rock. Wenn Williams & Co ihre eigenen Worte benutzen, wird das noch schlimmer: In „Deep Down Body Thrust“ titulieren sie Donald Trump als „Wizard Of Oz“ – und offenbaren dabei den Einfallsreichtum eines zum Aufräumen verdonnerten Zehnjährigen.

Es ist sehr frustrierend, mit anzusehen, wie die Hitmaschinen Williams, Hugo und Haley ohne äußere Hilfe zusammenbrechen. Das Ergebnis ist ein hörbares Album, das aber fast komplett ohne innere Substanz auskommt. The Neptunes mögen zwar unzählige Hits unzähligen KünstlerInnen auf den Leib geschneidert haben – im Jahr 2017 können N.E.R.D. aber kaum auf ihren eigenen Beinen stehen.

Veröffentlichung: 15. Dezember 2017
Label: I Am OTHER / Columbia

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