A Tribe Called Quest – „Midnight Marauders“ wird 25

Von ByteFM Redaktion, 9. November 2018

Cover von „Midnight Marauders“ von A Tribe Called Quest

A Tribe Called Quest – „Midnight Marauders“

„Man kann sich nicht vorstellen, wozu man diese Musik gebrauchen könnte“, schrieb der US-amerikanische Journalist Chuck Eddy einst für das Magazin Rolling Stone über das Debütalbum von A Tribe Called Quest. Eine Aussage, die heutzutage absurd wirkt: Mittlerweile gilt die Gruppe aus dem Produzenten und Rapper Q-Tip, dem DJ Ali Shaheed Muhammad und dem 2016 verstorbenen Rapper Phife Dawg als eine der einflussreichsten HipHop-Bands aller Zeiten. Doch Eddys Statement ist nicht ganz ohne Fundament: Ihre Tracks waren nie so tanzbar wie die von Dr. Dre oder so politisch aufgeladen wie die von Tupac Shakur und die drei New-Yorker wirkten nie so aufregend bedrohlich wie der Wu-Tang Clan. Stattdessen waren ihre Tracks freundlich, einladend und verspielt.

Ein Jahr nach ihrem Debüt veröffentlichten A Tribe Called Quest mit „The Low End Theory“ eine der prägendsten Rap-Platten der 90er-Jahre. Wie toppt man einen Meilenstein wie diesen, musste sich die Gruppe fragen. Zwei Jahre später taten sie es. „Midnight Marauders“, das dritte Album von A Tribe Called Quest, wird am 9. November 2018 25 Jahre alt.

Die Musik von A Tribe Called Quest war ein Gegenentwurf zum aggressiven Hardcore- und Gangsta-Rap ihrer Zeit. Damit waren sie im New York der frühen 90er-Jahre nicht alleine: Gemeinsam mit De La Soul und The Jungle Brothers gehörten sie zum Native Tongues Kollektiv, einem Verbund gleichgesinnter HipHop-Künstler, die mit Jazz-Beats und abenteuerlichem Sampling die Grundsteine für den Alternative-HipHop legten. Nach langer Erfolgszeit schien 1993 das Jahr zu werden, in dem die Native-Tongues-Acts zu Stolpern begannen: Die Steckenpferde De La Soul veröffentlichten mit „Buhloone Mindstate“ ihre erste kommerzielle Enttäuschung, während The Jungle Brothers‘ „J. Beez Wit The Remedy“ ein waschechter Flop war. Doch dann kam „Midnight Marauders“.

Wie toppt man einen Meilenstein?

Q-Tip hatte auf „The Low End Theory“ bereits die Kunst des basslastigen Jazz-Rap-Beats gemeistert, doch für den Nachfolger trieb er die Tiefenentspannung auf den Höhepunkt: Jeder Ton auf diesem Album klingt warm, mit tiefen Kontrabass-Tönen und Snare-Drums, eingängigen Bläser-Fanfaren und der omnipräsenten Plattennadel, die wie ein Kaminfeuer vor sich hin knistert. Q-Tip und Phife Dawg warfen sich gegenseitig ihre Lines zu, als wären sie Freunde, die die Sätze des jeweils anderen beenden können. Ihre gemeinsame Chemie war für A Tribe Called Quest genau so wichtig wie Q-Tips Beat-Kunst. Auf „Midnight Marauders“ fand sie ihren Höhepunkt: „Auf dem Album schrieb Q-Tip meine Lines und ich seine“, sagte Phife Dawg einst dem HipHop-Magazin XXL, „obwohl – eigentlich schrieben wir unsere eigenen Texte und tauschten dann.“

Unter der anschmiegsamen Oberfläche versteckten die beiden MCs auch textliche Tiefe: „Sucka Nigga“ ist eine pointierte Abhandlung über die Vorteile und Nachteile des „N-Worts“, „Steve Biko (Stir It Up)“ eine als smoothe Jazz-Rap-Party getarnte Ode an den titelgebenden Anti-Apartheids-Aktivisten. Diese doppelbödigen Texte, vorgetragen mit dem vertrauten Charisma von Q-Tip und Phife Dawg, machen „Midnight Marauders“ zu einem zeitlosen Klassiker. Wozu man diese Musik gebrauchen kann? A Tribe Called Quest geben einem 50 Minuten, in denen man sich in den möglicherweise geschmeidigsten HipHop-Tracks aller Zeiten verlieren lassen kann. Das sollte genug sein.

Am 9. November 1993 erschien auch ein anderer Klassiker des East-Coast-Raps: „Enter the Wu-Tang (36 Chambers)“, das Debütalbum von Wu-Tang Clan. Verstärker-CEO D. Böhme, assoziiertes Mitglied des Clans seit Mitte der 90er, wird am 14. November 2018 um 20 Uhr das 25-jährige Jubiläum mit einer persönlichen Auswahl an Greatest Hits aus dem riesigen Wu-Tang-Katalog feiern.

Auf das Jahr 1993 im HipHop blickte am 23. September auch Christian Tjaben in der Sendung School Of Rock zurück. Mitglieder im Förderverein „Freunde von ByteFM“ können die Sendung im ByteFM Archiv nachhören.

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