Nielsen-Report 2017: Ist der Rock wirklich tot?

Von ByteFM Redaktion, 4. Januar 2018

Symbolbild für den Nielsen-Report 2017Symbolbild für den aktuellen Nielsen-Report, der belegt, dass das Genre Rock im musikalischen Mainstream keine Rolle mehr spielt

Wirft man einen Blick auf das kürzlich enthüllte Line-up des Coachella Festivals, dann wird sehr schnell klar: Selten war Rock-Musik im Mainstream so tot wie heute. Die drei Headliner (Beyoncé, Eminem, The Weeknd) stammen erstmals in der Geschichte des US-amerikanischen Festival-Giganten allesamt aus der R&B/HipHop-Sparte. Mit A Perfect Circle hat sich zwar noch eine angestaubte Quoten-Rock-Band in die höheren Sparten eingeschlichen, und sowohl St. Vincent als auch The War On Drugs und Fleet Foxes lassen sich im gröberen Sinne vielleicht auch noch als „Rock“ definieren – trotzdem scheint die Gitarrenmusik zum ersten Mal komplett zweite Wahl für das Booking-Team des Coachella zu sein.

Pünktlich zu dieser Line-up-Enthüllung hat das Marktforschungsunternehmen The Nielsen Company seinen großen Musikreport 2017 veröffentlicht. Und auch dieser wirkt wie ein Sargnagel für die Rockmusik: Acht der zehn meistgehörten KünstlerInnen des vergangenen Jahres sind Rapper und/oder R&B-Sänger, die anderen beiden sind die Pseudo-Country-Sängerin Taylor Swift und der Pseudo-Folker Ed Sheeran – „Pseudo“ im Sinne von: Wer ernsthaft behauptet, dass die Singles von „Reputation“ und „÷“ etwas anderes als Mainstream-R&B seien, der hat diese nicht gehört. Von Gitarrenmusik so gut wie keine Spur.

Vinyl weiter im Aufwärtstrend

Laut Nielsen-Report schritt dafür die mittlerweile bereits zwölf Jahre andauernde Vinyl-Renaissance weiterhin voran: 14% der 2017 verkauften Tonträger wären Schallplatten. Die meistverkaufte war sogar ein Rock-Album: Das Jubiläums-Reissue des The-Beatles-Klassikers „Sgt. Pepper‘s Lonely Hearts Club Band“. Nicht gerade ein stechender Beweis für die Mainstream-Relevanz von Rockmusik. Ähnlich fühlen sich die Top 3 der erfolgreichsten Rock-Bands 2017 an: Auf Platz 1 die alteingesessenen Metallica, gefolgt von der Pop-Rock-Band Imagine Dragons (die ihren Fokus klar auf die erste Silbe ihres Genres legen) und – na klar – den Beatles.

Auch die ByteFM Jahrescharts 2017 zeichnen ein ähnliches Bild wie der Nielsen-Report 2017: Nur ein gutes Fünftel unserer 25 meistgespielten Alben lassen sich als Gitarrenmusik definieren. Stattdessen dominieren Genre-Hybriden, wie z.B. das britische Post-Electronica-Duo Mount Kimbie oder die Kunstmusik und Piano-Pop verschmelzende Sophia Kennedy. Auch in den ByteFM Jahrescharts der HörerInnen finden sich wenige klassische Rock-KünstlerInnen, nur Courtney Barnett & Kurt Vile sowie The War On Drugs sind mit wirklich gitarrenlastigen Alben in Euren Top Ten vertreten.

Das könnte Dich auch interessieren:

  • „This Time Tomorrow“: Ray Davies wird 80!
    Mit seinem trockenen Witz und einem großen Talent fürs Geschichtenerzählen avancierte Ray Davies ab den 60er-Jahren zu den wichtigsten Songwritern im Pop, der etliche nachfolgende Musiker*innen beeinflusste. Zum 80. Geburtstag des Briten ist „This Time Tomorrow“ von seiner Band The Kinks unser Track des Tages!...
  • Foto der US-amerikanischen Musikerin St. Vincent, die ein neues Album mit dem Titel „All Born Screaming“ angekündigt hat.
    Annie Clark alias St. Vincent hat mit der Single „Broken Man“ ihr neues Album „All Born Screaming“ angekündigt....
  • Cover des Albums „The Center Won
    Der Titel ihres neuen Album suggeriert einen Rundumschlag gegen ein implodierendes System, eine Platte voller agitatorischer Tritte zwischen die Beine des Patriarchats. Aber so einfach ist das bei Sleater-Kinney nicht. „The Center Won’t Hold“ der US-amerikanischen Riot-Grrl-Band ist unser Album der Woche....


Diskussionen

1 Kommentare
  1. posted by
    Moritz
    Jan 4, 2018 Reply

    Irgendwann kommt dann sicher auch wieder das Gitarren-Revival. – Und pünktlich zum Jahreswechsel kommt Jeff Rosenstock (zum Glück) entgegen dem Mainstream mit einem sehr guten neuen Album. http://www.albumoftheyear.org/album/98546-jeff-rosenstock-post-.php

Deine Meinung

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert