Neneh Cherry – „Blank Project“ (Album der Woche)

Neneh Cherry – „Blank Project“ (Album der Woche)

Neneh Cherry – „Blank Project“ (Smalltown Supersound)

Mit Neneh Cherrys viertem und neuem Soloalbum „Blank Project“ beginnt ein neues Kapitel in der Karriere der 49-jährigen Sängerin aus Schweden. TripHop, HipHop, Pop, Funk, Soul und R ’n’ B waren die dominierenden Musikstile auf ihren letzten drei Soloveröffentlichungen. Umso erstaunlicher, dass sich Neneh Mariann Cherry, so der vollständige Name der Musikerin, nach fast 18 Jahren entschlossen hat, ein avantgardistisches Electronica-Album aufzunehmen.

1989 erscheint ihr Debütalbum „Raw Like Sushi“, was ihr eine Grammy-Nominierung in der Kategorie „Best New Artist“ beschert. Zwei weitere Alben folgen: „Homebrew“ im Jahr 1992 und „Man“ vier Jahre später. Letzteres ist geprägt vom Tod ihres Stiefvaters, dem legendären Jazzmusiker Don Cherry. Auf „Man“ ist auch ihr wohl größter Hit „7 Seconds“ zusammen mit dem senegalesischen Sänger Youssou N’Dour zu hören. Trotz der gelegentlichen Berührung mit Mainstream-Erfolgen bleibt Cherry doch immer eine Künstlerin, der die eigene kreative Entwicklung deutlich wichtiger war als Chartplatzierungen. Nach „Man“ zieht sie sich vorerst aus dem Musikbusiness zurück. Erst zehn Jahre später wagt sie eine Rückkehr mit der Band CirKus. 2012 nimmt sie zusammen mit der skandinavischen Jazz-Truppe The Thing ein Jazz-Album in Gedenken an ihren verstorbenen Stiefvater auf. Und schließlich ist Neneh Cherry bereit für ein neues, eigenes Album.

„Blank Project“ entstand zusammen mit dem Electro-Duo RocketNumberNine aus London und wurde von Kieran Hebden alias Four Tet produziert. Damit ging auch ein langjähriger Traum der Sängerin in Erfüllung: „I originally thought ‚Oh, maybe he’ll do a track or two‘. Then there was this amazing place in time where Kieran could do the whole album, and he wanted to do the whole album. I was super honored and excited and thrilled.“ – so die Sängerin in einem Interview mit Pitchfork.

Wuchtiges Comeback

Im Mittelpunkt der Platte steht Neneh Cherrys charakteristisch raue Stimme. Darum arrangieren RocketNumberNine einzelne Instrumentspuren, oft spärlich dosiert: Der Albumopener „Across The Water“ besteht nur aus einem einzigen kontinuierlichen Drumbeat und den Stimme der Sängerin. Songs wie „Blank Project“ und „Spit Three Times“ ziehen mit verzerrten elektronischen Synthesizer-Klängen in ihren Bann. Ein Duett mit ihrer musikalischen Kollegin Robyn, die ebenfalls aus Schweden stammt, findet sich in Form des Tracks „Out Of The Black“ und klingt überraschend ruhig. „It was all about the rawness and capturing stuff in the moment. We were doing two tracks a day – 10 songs in five days – and we rehearsed quite a lot.“ So beschreibt die Sängerin den Aufnahmeprozess des Albums in den Dreamland Recording Studios nahe Woodstock im US-Bundesstaat New York. Das Album ist in der Tat eine Abkehr von allem, was man bisher von der Musikerin erwartet bzw. gehört hat. Und dennoch oder vielleicht gerade deshalb ist Neneh Cherry mit „Blank Project“ etwas Außergewöhnliches gelungen: ein wuchtiges Comeback mit der intensivsten und persönlichsten Platte ihrer Karriere.

Veröffentlichung: 28. Februar 2014
Label: Smalltown Supersound

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