Tony Allen, Mitbegründer des Afrobeat, ist tot

Bild des nigerianischen Schlagzeugers Tony Allen, Mitbegründer des Afrobeat, der im Alter von 79 Jahren gestorben ist

Tony Allen auf dem Cover des ByteFM Konzertfolders im Juni 2018 (Artwork: Helmut Kraus)

Tony Allen, Mitbegründer des Afrobeat, ist tot. Wie sein Manager Eric Trosset bekanntgab, starb der nigerianische Schlagzeuger am 30. April 2020 in seiner Wahlheimat Paris. Er wurde 79 Jahre alt.

Tony Allen kam am 12. August 1940 in Lagos zur Welt und brachte sich im Alter von 18 Jahren selbst das Schlagzeugspielen bei. Er selbst erklärte einmal, dass er sich seine Technik einfach beim US-amerikanischen Jazz-Schlagzeuger Max Roach abgeschaut hätte. Neben Roach war auch Bebop-Drummer Art Blakey ein großer Einfluss für den jungen Tony Allen.

Im Jahr 1964 traf Allen erstmalig auf den Musiker und Bandleader Fela Kuti, in dessen Band Africa ’70 er mehr als zehn Jahre spielte – und mit dem er dem Afrobeat zu internationaler Bekanntheit verhalf. Mit seinem charakteristischen Schlagzeugspiel – einer Symbiose aus Highlife, Soul, Funk, Jazz und traditioneller Musik seiner Heimat Nigeria – gilt Allen als maßgeblicher Architekt des Genres. Selbst Fela Kuti sagte einmal, dass es ohne Tony Allen keinen Afrobeat geben würde. Allen verließ die Band im Jahr 1979 nach einem Zerwürfnis mit Fela Kuti. Dieser benötigte in der Folge vier einzelne Drummer, um die Lücke zu füllen, die Allen hinterließ.

1984 emigrierte Tony Allen nach London, ein paar Jahre später dann nach Paris. Seit den 80er-Jahren war er nicht nur als Solomusiker aktiv, sondern kollaborierte mit einer Vielzahl anderer Künstler*innen aus den unterschiedlichsten Genres: So war Allen beispielsweise Teil von Damon Albarns Supergroups The Good, The Bad & The Queen und Rocket Juice & The Moon, saß beim Moritz Von Oswald Trio an den Drums oder kollaborierte mit Techno-Pionier Jeff Mills auf der EP „Tomorrow Comes The Harvest“. Auch auf Platten von Grace Jones, Charlotte Gainsbourg und Air ist Allen zu hören. Mit seiner Varianz und seinem geschmeidigen Schlagzeugspiel wandelte Tony Allen scheinbar mühelos zwischen den musikalischen Genres. Ambient-Pionier Brian Eno nannte ihn deshalb einst „den vielleicht größten Schlagzeuger, der je gelebt hat“.

Seine letzte Veröffentlichung liegt erst wenige Wochen zurück: Im März erschien das Album „Rejoice“ – eine Zusammenarbeit mit dem südafrikanischen Trompeter Hugh Masekela, der im Januar 2018 gestorben war.

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