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Was ist Musik Wimp'n'Bass - einst und jetzt

ByteFM: Was ist Musik vom 21.04.2013

Ausgabe vom 21.04.2013: Wimp'n'Bass - einst und jetzt

Gemessen an der Aufregung um Hype-Genres wie Doomstep, HighNo, Fartcore und, mit Einschränkungen, Queerolodics findet Wimp'n'Bass noch nicht die gebührende Aufmerksamkeit. Dabei ist das Genre schon dreißig Jahre alt. Wimp'n'Bass wird geboren, als Dennis Bovell zu Orange Juice stößt. Der auf Barbados geborene Reggae-Produzent (Matumbi, Linton Kwesi Johnson) stellt den Wimp-Pop der schottischen Band auf ein solide skankendes Bass-Fundament. In den frühen Achtzigern ist der Wimp die jungshafte Antwort auf den kernig-männlichen (Punk-)Rocker alter Schule. Die Band um Edwyn Collins trägt karierte Shorts und bunte Hemden, auch mal Pfadfinder-Style und läßt sich (lange vor Morrissey) mit Orchideen fotografieren. Sie nennen sich Orangensaft und nicht Bourbon, Scotch & Beer, sie singen Lieder wie „I guess I'm just a little too sensitive“, seinerzeit ein Gruß an Morrissey, der das Wimpster-Wesen den Massen nahebrachte, als er es mit einer gewissen New York Doll-Haftigkeit kreuzte. Für den Bovell-Dub „I guess I'm just a little too bassattractive“ werden heute Fantasiepreise gezahlt. Einen Meilenstein des Wimp'n'Bass produziert Bovell 2011 mit Steve Mason, leider interessiert sich kein Mensch für „Ghosts outside“. Mason war Sänger der Beta Band, wie Orange Juice ein konfrontativer Name, das Nein zum Alpha-Mann. Die neuen Alben von Steve Mason und Edwyn Collins haben mit Wimp'n'Bass wenig zu tun, mehr Rock verspricht mehr Geld. Ein weiterer Pionier des Wimp'n'Bass ist Green Gartside, der Sänger von Scritti Politti hat gerade „Didn't I (blow your mind)“ gecovert, den Wimp-Soul-Evergreen der Delfonics. Bei allen Unterschieden haben Gartside, Mason und der junge Collins zwei Dinge gemeinsam: die Liebe zur jamaikanischen Musik, besonders zum Lovers Rock, und eine betont unvirile, gern auch manirierte Art zu singen. Zu Zeiten von Scritti Politti und Orange Juice war der wimpige Gesangsstil Teil einer antirockistischen Ästhetik und somit ein geschlechterpolitisches Statement.
Und heute? Der Rockismus ist untergegangen, im interessanteren Pop dominiert eine übergeschlechtliche Vielstimmigkeit, dank Autotune ist die natürliche Männerstimme die Ausnahme, das Manipulierte, das Gemachte ist die neue – zweite – Natur. Aber was bedeutet das geschlechterpolitisch? Sind die Krise der Rockmännlichkeit und der Siegeszug verqueerter Stimmen Indizien für… ja, für was eigentlich?
Fortsetzung in der nächsten Spex – und am Sonntag bei Was ist Musik?
Starring: Drake, Owiny Sigoma Band, Fainting by Numbers, James Blake, 2 Bears, Shabba Ranks, The Sea & Cake, Curtis Mayfield, Hot Chip & Robert Wyatt, The Delfonics, Dirty Projectors,


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Playlist

1.  Edwyn Collins / Down The Line
Understated / AED
2.  Steve Mason / Safe Population
Monkey Minds In The Devil’s Time / Domino
3.  Orange Juice / I Guess I’m Just A Little Too Sensitive
Orange Juice / Polydor
4.  Dennis Bovell / Lovers Rock
Dub Master / Jamaica Gold
5.  Matumbi / Point Of View
Point Of View / Harvest
6.  Steve Mason / Lost And Dub
Ghosts Outside / Domino
7.  Steve Mason / Fight Them Back
Monkey Minds In The Devil’s Time / Domino
8.  Steve Mason / Fire!
Monkey Minds In The Devil’s Time / Domino
9.  Lapalux / Guuurl
10.  James Blake / Digital Lion
Overgrown / Universal
11.  James Blake / Take A Fall For Me (Feat. Rza)
Overgrown / Universal
12.  Scritti Politti & Shabba Ranks / She’s A Woman
She’s A Woman / Virgin
13.  Scritti Politti / Didn’t I Blow Your Mind
BEF III / Virgin
14.  The Delfonics / Didn’t I Blow Your Mind
Bell Greats / Greats
15.  Orange Juice / L.O.V.E.
L.O.V.E. / Postcard
16.  Dirty Projectors / Gun Has No Trigger
Swing Lo Magellan / Domino
17.  Dirty Projectors / The Socialites (Joe Goddard Remix)
The Socialites / Domino
18.  The 2 Bears / Work
Be Strong / ECB
19.  Hot Chip & Robert Wyatt / Made In The Dark
Made In The Dark / Domino
20.  Fainting By Numbers / A Stone In The Ground
A Stone In The Ground / Kompakt
21.  Owiny Sigoma Band / All Together
Power Punch / Brownswood
22.  The Sea & Cake / Left Side Clouded
One Bedroom / Thrill Jockey
23.  Curtis Mayfield / Hard Times
There’s No Place Like America Today / Curtom
24.  Steve Mason / More Money More Fire
Monkey Minds In The Devil´S Time / Domino
25.  King Midas Sound / Come And Behold (Green Gartside Revoice)
Without You / Hyperdub
26.  Drake / Girls Love Beyonce Feat. James Fauntleroy
Girls Love Beyonce Feat. James Fauntleroy / Universal
27.  Destiny’s Child / Say My Name (Cyril Hahn Remix)
Say My Name / Columbia