Neue Platten: Animal Collective – "Centipede Hz"

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6,8

Die schlimme Nachricht vorweg: „Centipede Hz“, das neue Album von Animal Collective, leidet schwer an dem „Congratulations“-Syndrom.

Wir erinnern uns: Es ist das Frühjahr 2009, Michael Jackson lebt noch und mit „Merriweather Post Pavilion“, einer Art Beach-Boys-Platte für das 21. Jahrhundert, ist Animal Collective der große Wurf gelungen. Pitchfork vergibt eine 9.6 und der Asthmaspray-Verbrauch der Hipster weltweit erhöht sich infolge von Massen-Hyperventilationen schlagartig. Eine denkbar ungünstige Ausgangslage für ein neues Album in einer Welt, in der die Hype-Zyklen schneller durchbrennen als die letzen Glühbirnen in der Europäischen Union.

Drei Jahre später erscheint nun „Centipede Hz“ und Avey Tare, Panda Bear, Deakin und Geologist scheinen einen ähnlichen Ansatz zu wählen wie MGMT 2010 mit ihrem respektablen Nachfolger eines Überalbums (in diesem Fall war das „Oracular Spectacular“ aus dem Jahr 2007). Weg vom Pop, kein „My-Girls“- oder „Brother-Sport“-2.0, sondern eine Rückbesinnung auf die experimentelleren Anfänge der Band.

Um dies zu bewerkstelligen, kamen die mittlerweile über den Globus verteilten Bandmitglieder seit langer Zeit das erste Mal in ihrer Heimat Baltimore zusammen, um in drei Monaten intensiven Probens die Stücke für „Centipede Hz“ herauszudestillieren. Wobei destillieren hier das falsche Wort ist, klingen die Songs stellenweise doch, als ob sie die auf Platte gepressten, ausufernden Jams aus diesen Tagen sind. Leider geht dadurch Animal Collective die mühsam über mehrere Alben erarbeitete Zugänglichkeit (und damit auch der Pop-Appeal) verloren. Durch diese wiedergefundene Sperrigkeit bewegt sich das Kollektiv viel näher an Psychedelic- und Space-Rock als an den Werken der Gebrüder Wilson (keine Sorge, auch hierzu kann man prima Drogen einwerfen).

Enttäuschend ist „Centipede Hz“ nur für Leute wie den Rezensenten, die sich wieder mitreißen lassen wollten, wie bei „Merriweather Post Pavilion“, dem vorletzten Album „Strawberry Jam“ oder Panda Bears Solowerken. Bei den letzten Platten tauchte man mit jedem Hörgang tiefer ein und entdeckte Neues – ein musikalisches Zwiebelschälen, wenn man so will – bei „Centipede Hz“ ist mir persönlich jedoch die Schale dafür zu hart.

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