Zum 70. Geburtstag von Robbie Robertson

Robbie Robertson (Foto: Heinrich Klaffs)

Mit freundlicher Untertstützung von NAD.

„A lot of young bands today are very much like ‚I got a guitar for christmas – let’s start a band.'“ Man hört es einer Band und ihren Musikern an, ob sie bereits lange zusammenspielen, so Robbie Robertson. Viele junge Bands heutzutage würden allerdings klingen, als hätten sie ihre Gitarre gerade erst zu Weihnachten geschenkt bekommen. Ungnädige Worte von einem, der heute auf 53 Jahre als professioneller Musiker zurückblickt.

Am 5. Juli 1943 wurde Robbie Robertson in Toronto geboren, als Sohn eines jüdischen Vaters und einer Mutter mit indianischen Wurzeln. Bereits mit 17 war er Gitarrist der Hawks, der Begleitband des Rockabilly-Musikers Ronnie Hawkins. In der Band von Ronnie Hawkins kamen zwischen 1958 und 1963 nach und nach die Musiker zusammen, aus denen später The Band wurde, ab 1965 die erste elektrisch verstärkte Begleitband für Bob Dylan.

Unter anderem mit Hilfe der schreienden E-Gitarre von Robbie Robertson teilte Bob Dylan seine Anhängerschaft: Die einen feierten ihn als großen Erneuerer, die Folk-Puristen auf der anderen Seite beschimpften ihn als Verräter. „Play it fucking loud“ – darum musste Bob Dylan Robbie Robertson nicht lange bitten. So laut und wild, wie möglich, das war Robbie Robertson zu dieser Zeit an der Gitarre.

Als es Ende der 60er-Jahre aber daran ging, das Debütalbum mit The Band aufzunehmen, änderte er seinen Stil radikal: „Mit The Band wollte ich an der Gitarre in die genau entgegengesetzte Richtung gehen: Ich wollte so geschmackvoll und subtil wie möglich spielen, wie Curtis Mayfield oder Steve Cropper, die ich sehr bewunderte und bei denen immer der Song im Vordergrund steht.“ Für das Songwriting zogen sich The Band in einen kleinen Ort nördlich von New York zurück. Im Keller eines Hauses entstanden nicht nur die berühmten „Basement Tapes“ mit Bob Dylan, das pinke Äußere des Hauses war auch Namenspate für das Debütalbum von The Band: „Music From Big Pink“.

Als Haupt-Songwriter von The Band schrieb Robbie Robertson etliche Songs, die mittlerweile zu Klassikern geworden sind. Während man komponiert, sei man sich selbst oft aber gar nicht bewusst, ob ein Song vielleicht besonders ist, sagt Robbie Robertson: „When we recorded ‚Music From Big Pink‘, ‚The Weight‘ was an extra song I had in case any of the other songs didn’t work out. I truly didn’t know that ‚Oh, this is the one‘.“ Ursprünglich war der Song „The Weight“ nur als Ersatz gedacht, falls einer der anderen bei den Aufnahmen nicht funktionieren würde. „The Weight“ wurde schließlich der bekannteste Song von The Band.

Mit dem Abschiedskonzert „The Last Waltz“, bei dem unter anderem Bob Dylan, Joni Mitchell, Muddy Waters, Van Morrisson, The Staple Singers, Neil Young, Dr. John sowie Emmylou Harris zu Gast waren, und dem gleichnamigen Dokumentarfilm von Martin Scorsese setzte Robbie Robertson sich und The Band 1976 ein Denkmal. Aber auch ohne The Band war und ist Robbie Robertson fleißig: Er steuerte mehrfach Musik zu Filmen von Martin Scorsese bei und veröffentlichte seit 1987 mehrere Soloalben, zuletzt 2011. Auf dem Album haben unter anderem Eric Clapton, Steve Winwood, Trent Reznor, Tom Morello, Robert Randolph mitgewirkt.

Ein Audiobeitrag über Robbie Robertson von Oliver Stangl ist am Vormittag im ByteFM Magazin von 10 bis 12 Uhr zu hören – mit freundlicher Unterstützung von NAD.

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