Zum 75. Geburtstag: Booker T. Jones in fünf Songs

Foto des US-Musikers Booker T.

Booker T. (Foto: Carl Lender, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)

Booker T. Jones als etwas anderes als ein Urgestein zu bezeichnen, grenzt an Untertreibung. Denn die unnachahmlich warmen Orgel-Töne des US-Amerikaners oszillieren durch einige der bekanntesten Songs des letzten Jahrhunderts. Unzählige MusikerInnen schworen auf den Sound seines Instruments und seiner Band The M.G.‘s. Von Otis Redding bis zu Bill Whiters, von Bob Dylan bis zu Willie Nelson, von The Roots bis zu Hozier. Von den Dutzenden Hits, die er für seine eigene Band (und für andere!) schrieb, ganz zu schweigen.

Booker Taliaferro Jones Jr. wurde am 12. November 1944 in Memphis, Tennessee geboren – der Hauptstadt des rohen, wilden Souls, der in den 60er-Jahren auf dem Label Stax Record veröffentlicht wurde. Während vorm Studio ihrer vergleichsweise poppigen Konkurrenten Motown ein Schild mit der Aufschrift „Hitsville, U.S.A.“ stand, zierte das Stax-Studio eines mit dem Titel „Soulsville“. Diese beseelte, ungestüme Musik wurde von Jones als Schlüsselfigur der Hausband des Labels maßgeblich geprägt. Heute, am 12. November 2019, wird er 75 Jahre alt. Wir haben Booker T. Jones in fünf Songs porträtiert.

Booker T. And The M.G.‘s – „Green Onions“ (1962)

Jones war schon lange vor „Green Onions“ ein Star. Als Teenager galt er das Ausnahmetalent seiner Schule, das gleichermaßen Oboe, Saxofon, Gitarre Kontrabass und Piano beherrschte. Als Leiter des schulischen Tanz-Orchesters tourte er durch die US-amerikanischen Südstaaten. Im Alter von 16 Jahren wurde er zum ersten Mal von einem Label für eine Studiosession engagiert. Der Song war „Cause I Love You“ von Carla und Rufus Thomas. Jones spielte Bariton-Saxofon. Er wurde ein Hit. Stax Records engagierte den jungen Musiker und seine Band The M.G.‘s schnurstracks als Hausband.

Sein erster eigener Hit wurde „Green Onions“. 1962 jammte er mit seinen Bandmitgliedern ein Orgel-Instrumental – dessen unausweichlicher Groove es auf Platz drei der Billboard-Charts katapultierte. Und das ohne Gesang. In der vom Rolling Stone kuratierten Liste „500 Greatest Songs Of All Time“ ist es bis dato der einzige rein instrumentale Beitrag. Jones brauchte keine Stimme, um sich hörbar zu machen.

Otis Redding – „Try A Little Tenderness“ (1966)

Mit The M.G.‘s ist Jones auf einigen der größten Hits des Stax-Labels zu hören. Dies beinhaltet auch die fast komplette Diskografie des „King Of Soul“, Otis Redding. In Songs wie „Try A Little Tenderness“ bildet Jones‘ Band den perfekten Kontrapunkt zu Reddings Stimme. Seine Orgel lamentiert in Harmonie mit Reddings Jauchzen. Jones und The M.G.‘s waren härter, treibender als ihre zeitgenössischen Konkurrenten (wie beispielsweise die Motown-Hausband The Funk Brothers) – und waren dennoch in der Lage, den Himmel aufzureißen.

Bill Withers – „Ain‘t No Sunshine“ (1971)

Ein weiterer unsterblicher Song, der maßgeblich von Jones geprägt wurde: „Ain‘t No Sunshine“. Jones bediente auf Bill Withers‘ Durchbruchssingle nicht nur die Tasten, er produzierte außerdem und arrangierte die melancholischen Streicherparts. Der Song wurde zu einem Soul-Standard, das bis heute nicht aus Karaoke-Bars wegzudenken ist. Berühmt wurde er durch Withers‘ gefühlvollen Gesang, doch getragen wurde er von Jones‘ feinsinnigem Pop-Gespür.

Booker T. & The M.G.‘s – „Melting Pot“ (1971)

Im gleichen Jahr veröffentliche Jones sein letztes Album für Stax sowie die vorerst letzte Booker-T.-&-The-M.G.‘s-LP im klassischen Line-up: Jones an den Tasten, Steve Cropper an der Gitarre, Donald „Duck“ Dunn am Bass und Al Jackson Jr. am Schlagzeug. Es sollte ein weiterer Klassiker werden: Der Titelsong „Melting Pot“ wurde mit seinem repetitiven, sich über acht Minuten erstreckenden Groove einer der Schlüsselsongs des frühen HipHop, der als Sample unzählige Male durch New Yorker Block Partys schallte.

Booker T. Jones feat. Biz Markie, Sharon Jones & Matt Berninger – „Just A Friend“ (2011)

Nach seinem Bruch mit Stax verbrachte Booker T. die folgenden Jahrzehnte als Produzent und Gastmusiker – und bewies dabei, dass er auch außerhalb seiner Soul-Komfortzone glänzen konnte. 1978 produzierte er das erfolgreiche Cover-Album „Stardust“ des Country-Musikers Willie Nelson. Neil Young engagierte Booker T & The M.G.‘s als Live-Band für einige Touren. Es folgten Zusammenarbeiten mit solch diversen Acts wie Latin-Rockstar-Carlos Santana, der Alt-Rock-Band Soul Asylum, den Punks Rancid, Folk-Künstler Bruce Cockburn und Schauspieler und Gelegenheits-R&B-Crooner Bruce Willis (!).

Eine der bizarrsten und wunderbarsten Zusammenarbeiten ergab sich im Jahr 2011. Damals erschien Jones‘ neuntes Album „The Road From Memphis“, auf dem Jones, verstärkt von der HipHop-Band The Roots, eine interessante Riege an GastsängerInnen um sich scharte. Für einen Bonustrack versammelte er folgende MusikerInnen: The Roots, Soul-Sängerin Sharon Jones, „Clown Prince Of Rap“ Biz Markie – und The-National-Chefmelancholiker Matt Berninger. Gemeinsam coverte diese illustre Runde Markies wundervoll albernen 80er-HipHop-Klassiker „Just A Friend“. Das Ergebnis: Pure Freude.

Bild mit Text: Förderverein „Freunde von ByteFM“

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