
Paula Steinbauer moderiert seit 2019 die Sendung New School bei ByteFM
HipHop, Trap, R&B und Artverwandtes – darum dreht es sich seit 2019 bei Paula Steinbauer in ihrer Sendung New School! Mal geht es in New School um US-amerikanische HipHop-Hochburgen, mal beleuchtet unsere Moderatorin den weltweiten Amapiano-Trend und dessen Herkunft oder aber reist mit dem HipHop-Interrail durch Europa. Wir haben mit Paula Steinbauer über erste Lieblingsbands, das Entdecken von neuer Musik und den nicht zu unterschätzenden Einfluss jüngerer Geschwister gesprochen.
1. Liebe Paula, wie bist Du zu ByteFM gekommen?
Während meines letzten Schuljahres habe ich eine Hospitanz beim Radiosender ALEX Berlin gemacht. Musik fand ich schon immer gut und dort ist mir dann aufgefallen, dass mir auch das Sprechen über Musik und vor allem mit Musiker*innen Spaß macht. Damals lief jeden Nachmittag zwei Stunden lang das Programm von ByteFM auf ALEX. Ich wusste noch überhaupt nicht, wie es nach dem Abi für mich weitergehen sollte, entdeckte aber gerade eine ganze Welt von alternativen Radiosendern voller kreativer, idealistischer und leidenschaftlicher Köpfe dahinter. Ein Praktikum bei ByteFM schien mir also wie die coolste Möglichkeit, diese Welt besser kennenzulernen.
2. Was machst Du, wenn Du nicht bei ByteFM moderierst?
Ich arbeite beim Indie-Label City Slang im Projektmanagement.
3. Einer der Ankerpunkte Deiner Sendung New School ist HipHop. Wann und wie begann Deine Liebe zum Genre?
Eigentlich fand ich HipHop immer doof. Alles so männlich besetzt und mitsingen kann man auch eher schlecht. Mein jüngerer Bruder Linus hört bis heute fast ausschließlich HipHop, dadurch musste ich das natürlich erst einmal ablehnen. Es waren dann aber tatsächlich seine Begeisterung und sein Blick, die mir selber die Augen für dieses super diverse und innovative Genre geöffnet haben. Bis heute lege ich viel Wert auf sein Gespür und mache jede Folge New School mit ihm irgendwo im Hinterkopf.
4. In der New School spielst Du aber nicht nur HipHop – auch Trends wie Hyperpop und das Amapiano-Revival sind Thema. Was sind aus Deiner Sicht die spannendsten aktuellen Musikentwicklungen?
Es gibt vieles in der Welt, das mir momentan Sorgen macht und symptomatisch auch in der Musikindustrie. Als Mitarbeiterin bei einem Indie-Label sehe ich jeden Tag, wie schwierig es ist, sich als Musiker*in über Wasser zu halten. Wenn Bands nicht auf Tour gehen können, weil es zu teuer ist, mehrere Bandmitglieder mitsamt ihrer Instrumente um den Globus zu fliegen, geschweige denn zu bezahlen, wird das über kurz oder lang auch Auswirkungen auf die Qualität der Musik haben. Es ist einfach am günstigsten, solo und mit einem hauptsächlich elektronischen Set-up zu performen. Und zum Glück gibt es Künstler*innen wie Charli XCX, Jamie xx oder Oneohtrix Point Never, die zeigen, dass auch das großartig sein kann. Im Zusammenspiel mit einem wie auch immer ausgeprägten AI-Faktor steht elektronischer Musik eine spannende Zukunft bevor.
5. Du sagst selbst von Dir, Du seist „aufgewachsen an der Schnittstelle zwischen Millennials und Gen Z“. Generationen, in denen sich das Hör- und Konsumverhalten von Musik massiv verändert hat. Wie entdeckst und konsumierst Du neue Musik?
Auf allen erdenklichen Wegen! Natürlich weiß auch ich einen gut trainierten Algorithmus zu schätzen, sehe es aber als meine Verantwortung, so viel musikjournalistische Medien wie möglich zu konsultieren. Vom Instagram-Reel bis zum Printmagazin ist da alles dabei. Ich folge vertrauenswürdigen Journalist*innen, lese Reviews, höre Anstoß auf ByteFM (!), befrage Menschen in meinem Umfeld und klicke mich durch Playlists. Auch immer sehr spannend: Was hören Deine Lieblingskünstler*innen selbst gerne?
6. Erinnerst Du Dich an die Band oder die Platte, die als erste nachhaltig Eindruck bei Dir hinterlassen hat?
Wir waren schon immer ein Radio-Haushalt. Sowas wie Papas Plattensammlung gehört also nicht zu meiner musikalischen Sozialisation. Die erste CD, die meine Mutter mir gekauft hat, war allerdings „Das große Leben“ von Rosenstolz und dazu sind wir viel durch die Küche getanzt. Als es dann später darum ging, meinen eigenen Musikgeschmack zu gestalten, waren Künstler wie Frank Ocean oder Mac Miller, aber auch Indie-Bands wie Alt-J und Bombay Bicycle Club sehr prägend.
7. Hast Du eine Lieblingsausgabe von New School bzw. eine Sendung, die Dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Mein kreativen Peak hatte ich, glaube ich, als mir die Idee zu HipHop-Interrail kam. Also wie ein musikalischer Roadtrip durch Europa mit Künstler*innen aus jedem Land. Die Recherche dazu hat super viel Spaß gemacht, das Feedback war auch nett und seitdem versuche ich, das Format jedes Jahr neu zu beleuchten. Tatsächlich bin ich aber auf fast jede New-School-Folge stolz (und sowas sage ich echt nicht oft), weil ich mich in den fünf Jahren, die ich das jetzt schon mache, mit so vielen coolen Themen beschäftigen konnte. Klickt Euch also mal durch! Die Titel sind wahrscheinlich etwas zu kryptisch für mein eigenes Wohl, aber es verstecken sich gute Sachen dahinter.
8. Was war das schönste Kompliment einer Hörerin oder eines Hörers?
Ich freue mich über jeden einzelnen Kommentar, weil es immer noch ein total unbegreifliches Gefühl ist, dass fremde Menschen mir zuhören. Besonders Kommentare wie „Für Sendungen wie Deine bin ich Freund von ByteFM!“ liebe ich, weil es uns als ganzes Projekt wertschätzt. Für die Folge über weibliche Wut (auch eine Hörempfehlung!) schrieb eine Person: „Bin gerade wütend und wegatmen funktioniert nicht. Meine Freundin riet mir, damit aufzuhören und einfach wütend zu sein, es rauszulassen und Zack kommt die Musik dazu von Dir! Danke!“ Der Gedanke, den Alltag von jemandem nicht nur zu begleiten, sondern zu bereichern, rührt mich sehr!
9. Hast Du eine Lieblingssendung bei ByteFM bzw. eine Empfehlung?
Das Ehrenwort (ich hoffe, die Sendung kommt bald wieder!), Hertzflimmern und Ein Topf aus Gold!
10. Was wünschst Du Dir für die Zukunft, für Dich und ByteFM?
Ich hoffe, dass wir noch lange so freiheitlich und idealistisch weiter existieren können und dass noch mehr diverse Stimmen ihren Weg ins Programm von ByteFM finden. Musikalisch decken wir schon einiges ab, aber ich glaube, da geht noch mehr!
Vielen Dank, Paula!
Paula Steinbauers Sendung New School hört Ihr alle zwei Wochen samstags von 16 bis 17 Uhr. Mitglieder im Förderverein „Freunde von ByteFM“ können alle Ausgaben jederzeit in unserem Sendungsarchiv nachhören.
