Dr. John: New-Orleans-Funk-Legende ist gestorben

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Dr. John (Foto: Nonesuch Records)

Dr. John ist tot. Die Funk-Ikone aus New Orleans ist am vergangenen Donnerstag an einem Herzanfall gestorben. Er wurde 77 Jahre alt.

Dr. John wurde am 20. November 1941 als Malcolm John Rebennack in New Orleans geboren. Sein Vater, ein Plattenladenbetreiber, weckte bei ihm früh eine Begeisterung für den Jazz der lokalen Legenden Louis Armstrong und King Oliver. Im Alter von 13 Jahren lernte er Professor Longhair kennen, dessen glamouröse Bühnenoutfits ihn für sein eigenes flamboyantes Auftreten inspirierte. Kurze Zeit später begann Rebennack seine professionelle Musiker-Karriere – seinen ersten festen Job als Produzent in den Ace Studios, Mississippi, bekam er als 16-Jähriger.

Als junger Mann war Rebennacks Hauptinstrument die Gitarre. Das änderte sich, als sein linker Ringfinger bei einer Schießerei in Jackson, Mississippi, verletzt wurde. Sein neues Lieblingsinstrument wurde das Piano – erneut inspiriert von Professor Longhair. Mitte der 60er-Jahre zog er nach Los Angeles, wo er als Teil der berüchtigten Wrecking Crew (zu der auch der kürzlich verstorbene Schlagzeuger Hal Blaine gehörte) zu einem der gefragtesten Studio-Musiker der Stadt wurde. Rebennack spielte beispielsweise auf „Freak Out!“, dem Debüt von Frank Zappa And The Mothers Of Invention, sowie auf Studioalben von Canned Heat und Sonny & Cher.

New Orleans R&B und Voodoo-Funk

Ende der 60er-Jahre begann Rebennack unter dem Namen Dr. John, The Night Tripper seine Solokarriere. Auf seinem 1968er-Debütalbum „Gris-Gris“ kombinierte er traditionellen New-Orleans-R&B und Jazz mit Psychedelic-Rock und der in seinem Heimatstaat Louisiana popularisierten Voodoo-Praxis. Auf der Bühne und auf seinen Albencovern trug er psychedelischen Kopfschmuck und Voodoo-Ketten. Im Verlauf der 70er-Jahre fügte er dieser esoterischen Mischung noch eine gehörige Portion Groove hinzu – seine 1973 erschienene, von New-Orleans-R&B-Pate Allen Toussaint produzierte LP „In The Right Place“ gilt gleichermaßen als Geburtsstunde und als Höhepunkt des New-Orleans-Funk.

Parallel zu seiner florierenden Solokarriere blieb Dr. John stets ein aktiver Studiomusiker. Er begleitete The Rolling Stones, Van Morrison, Carly Simon, James Taylor, B.B. King und Neil Diamond. 1978 sang er in Martin Scorseses ikonischer Konzert-Doku „The Last Waltz“ seinen Song „Such A Night“, begleitet von The Band. Das unverwüstliche Piano inmitten von Spiritualizeds apokalyptischem Heroin-Epos „Cop Shoot Cop“ wurde von ihm gespielt. Rebennacks vorletztes Album wurde von Dan Auerbach (The Black Keys) produziert, ein langjähriger Verehrer. Seine letzte LP, „Ske-Dat-De-Dat: The Spirit of Satch“ erschien im August 2014. Sein Geburtstag, der 20. November, ist seit 2017 in New Orleans der offizielle Dr. John Day.

Am Montagabend, dem 10. Juni 2019, widmet Klaus Walter seine Sendung Was ist Musik Dr. John. Mitglieder des Fördervereins „Freunde von ByteFM“ können die Ausgabe ab Dienstag in unserem Archiv nachhören.

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