Kurt Vile – „B’lieve I’m Goin Down…“ (Album der Woche / Rezension)

Cover des Albums Kurt Vile – „B’lieve I’m Goin Down…“ (Matador)

Sie haben das Instrument nicht erfunden, aber die USA halten viel auf ihre Riege von bedeutenden Gitarristen. Die Gitarre ist essenziell in jenen Musikstilen am Fundament der Staaten, an ihren Wurzeln, ihrer „Roots Music“ wie Blues, Country und R&B. In dieser Roots Music hört man oft die Weite des Landes beziehungsweise der Ländereien, die einsamen Wüsten, die uralten Wälder. Seit seinem Debüt „Constant Hitmaker“ hat sich Kurt Vile immer weiter zu einem der „great American guitarists“ gemausert. Mit „B’lieve I’m Goin Down…“ zementiert er diesen Status.

Kim Gordon, ein Kopf von Sonic Youth, nennt Viles sechstes Album einen Handschlag quer über das Land, von der Ostküste zur Westküste, durch staubige Täler und kantige Canyons. Hat Kurt Vile den Vorgänger „Wakin On A Pretty Daze“ mit vielen Schichten von Musik verträumt und nebelverhangen gestaltet, ist „B’lieve I’m Goin Down…“ ein back to the basics. Im Sinn hatte der Musiker aus Philadelphia, dass die zwölf Stücke den Eindruck vermitteln, sie wären auf seinem Sofa entstanden. Ohne viel Pomp und langen Studioaufenthalten.

Letztere wird es sicher gegeben haben, aber Viles sechstes Album wirkt wirklich intimer, sehr unmittelbar, und erinnert dabei an „Smoke Ring For My Halo“ aus dem Jahr 2011. Sogar einige Tonfolgen verweisen direkt auf die Platte. Das straight gezupfte, verspielte Intro von „Kidding Around“ verweist auf „Peeping Tomboy“ und „All In A Daze Work“ von der aktuellen Platte scheint sich in der Melodie verlangsamt dem Opener vom 2011er Werk zu bedienen, „Baby’s Arms“.

Welches Instrument Kurt Vile auf der neuen Platte auch in die Hand nimmt, jedes spielt er ohne Schnörkel und mit wenig Filtern, so trocken wie die schon genannte amerikanische Steppe. So entstehen Songs, bei denen etwas Melancholie und Fernweh mitschwingt, wie das straighte „Dust Bunnies“ und das zurückhaltende „Stand Inside“. Für „Lost My Head There“ setzt sich Vile ans Klavier und schlägt es so an wie seine Gitarre: Akkord, Akkord, kurzes Picking beziehungsweise Tastenfolge. Und obwohl das alles organisch und handgemacht klingt, auf die Drum Machine kann er auch hier nicht verzichten. Die gibt dem letzten Track „Wild Imagination“ den Charakter von verträumter Ferne.

Mit minimalem Einsatz schafft Kurt Vile auf „B’lieve I’m Goin Down…“ Weiten, die von seinem Wohnzimmer bis in den entlegensten Winkel der Staaten zu reichen scheinen.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Kurt Vile“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

Kurt Vile & The Violators live, präsentiert von ByteFM:

03.11.15 Hamburg – Uebel & Gefährlich
09.11.15 Berlin – Postbahnhof
10.11.15 Köln – Gebäude 9

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