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Was ist Musik Motherfucker

ByteFM: Was ist Musik vom 28.10.2012

Ausgabe vom 28.10.2012: Motherfucker

Motherfucker - die Mutter aller schmutzigen Wörter im Pop
»Ein schwarzer Musiker, der eine weiße Frau und einen Cadillac hatte, war ein ›bad motherfucker‹!«
Jazzpianist Hampton Hawes,
Raise Up Off Me (1973)
„Britische und amerikanische Weiße benutzten den Ausdruck »mother fucker« höchstwahrscheinlich schon lange Zeit, nun hat er sich in der Alltagssprache festgesetzt, weil er ein besonders starkes Echo unter den schwarzen Amerikanern fand. Der Schauspieler Ving Rhames drückte es, als er 1997 den Boxpromoter Don King in HBOs Film Only in America porträtierte, so aus: »Schwarze bekommen für nichts Anerkennung. Wir kriegen nur ein Wort. Und das heißt motherfucker.« Seine Popularität kommt direkt aus dem Slang der Hipster und Jazzmusiker der schwarzen Ghettos des frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Sie schnappten es von ihren Vorfahren auf.“
Schreibt der amerikanische Autor Jim Dawson in seinem Buch „Motherfucker - die Mutter aller schmutzigen Wörter im Pop“, erschienen ind er Edition Tiamat. Der Sound zum Buch heute bei Was ist Musik – von Ödipus bis Gaslamp Killer, mit Speech Debelle und nicht ohne den Rotten Cocksucker´s Ball.
Also starring: Moodymann, Martha Wainwright, Brian Ritchie, Wilson Pickett, Nick Cave & The Bad Seeds, Junior, Public Enemy, Bobby Bland, Violent Femmes, Sun Ra, Melvin Van Peebles, Elvis Presley..

Jazz-Komponist Charles Mingus hielt in seiner Autobiographie von 1971, Beneath the Underdog, das Wort für eine gewöhnliche Beschreibung des durchschnittlichen ausgenutzten oder schikanierten Afroamerikaners, wenn er beklagte: »Musiker werden genauso zu Niggern gemacht wie jeder schwarze motherfucker auf der Straße.«
Mingus erzählt von einem Tag im Jahr 1947, als er und andere Mitglieder von Lionel Hamptons Band ihren neuen Trompeter, Fats Navarro, auf New Yorks geschäftiger Grand Central Station begrüßten. »Ich genierte mich, als die Band rausging. Überall waren Fremde, Frauen und Kinder, und die Jungs lachten zu laut und witzelten, und Wörter wie ›motherfucker‹ und ›cocksucker‹ gellten durch die Halle.« (Manchmal meinten cocksucker und motherfucker dasselbe: eine verachtete, verächtliche Person oder Situation. Aber anders als motherfucker hat sich cocksucker nie viel verändert. Besonders in der schwarzen Kultur der Nordstaaten war die orale Kopulation mit einem anderen Mann weitaus schlimmer, als die eigene Mutter zu ficken. So sagt etwa Fats Navarro während einer bitteren Suada gegen die weiße Ausbeutung schwarzer Musiker zu Charles Mingus: »Zeig mir, wo dieser Knopf für die Atombombe ist, und ich werde diesen Schwanzlutschern [cocksuckers] ihre Freiheit schon besorgen.« Motherfuckers war in diesem Zusammenhang ein zu sanftes Wort.)

Nicht wahr ist der alte Witz, daß vor langer Zeit in Mutter Afrika ein König namens Mutafuk seine Untertanen seinen Namen den ganzen Tag sprechen ließ und daß später seine Stammesangehörigen als Sklaven den Brauch nach Amerika brachten. Vorausgesetzt, daß Gott Moses eine Steintafel überreichte, auf der gefordert wird, wir sollen unsere Mütter ehren, sollte man annehmen, daß dieses Koschergesetz für immer und ewig gilt. So wie Dillgurken und Vanilleeis – jedes für sich ein einwandfreies Nahrungsmittel – niemals miteinander kombiniert werden sollten, sollten auch mother und fucker voneinander ferngehalten werden. Aber es kam anders. Mother und fucker wurden im Schmelztiegel der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung zusammengefügt und fanden Eingang in den nationalen Wortschatz mit der Anti-Vietnamkriegsbewegung – innerhalb kurzer Zeit in den sechziger Jahren. Seitdem wird sein häufiger, geradezu selbstverständlicher Gebrauch als Symptom entweder einer freigeistigen, zwangloseren Bürgerschaft oder einer wachsenden Verwahrlosung der Zivilgesellschaft betrachtet. Innerhalb der schwarzen Gemeinschaft, wo motherfucker einst auf die Ärmsten und am wenigsten Integrierten beschränkt war (schließlich sagte Martin Luther King in seiner berühmten Rede nicht: »I’ve been to the motherfucking mountaintop!«), reflektiert seine Präsenz, wie über die letzten vierzig Jahre Afroamerikaner die weiße Gesellschaft und ihren Anspruch auf kulturelle Überlegenheit zurückgewiesen haben. Weiße sehen in der Häufigkeit des Wortes entweder eine allgemeine Verarmung des englischen Vokabulars oder eine wachsende linguistische Komplexität, die von mehr Kontext – Betonung, Gesten und Gesichtsausdruck – und weniger Worten abhängt. Sie haben die Wahl.

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Playlist

1.  Prince & The New Power Generation / Sexy MF
Prince & The New Power Generation / Paisley Park
2.  Moodymann / Freeki Mutha F Cker
Detroit 67 / Mahogani
3.  Junior / Mama Used To Say
Phat Trax / Rhino
4.  Gaslamp Killer / Fuck
Breakthrough / Brainfeeder
5.  The Clovers / Rotten C***Suckers’ Ball
The Dirtiest Of Them Dirty Blues / Zu-Zazz
6.  Public Enemy / Fight The Power
Do The Right Thing / Motown
7.  Elvis Presley / That’s Alright Mama
Collector’s Box / Chrome Dreams
8.  Charles Mingus / All The Things You Could Be By Now Sigmund Freud’s Wife Was Your Mother
Charles Mingus Presents Charles Mingus / Waxtime
9.  Melvin Van Peebles / Sweetback Losing His Cherry
Sweet Sweetback’s Baadass Song / Stax
10.  Bobby Blue Bland / If Loving You Is Right, I Don´T Wanna Be Wrong
His California Album / EMI
11.  Wilson Pickett / Cole, Cooke & Redding
Sugar, Sugar / Stax
12.  Brian Ritchie / Nuclear War (Deutsch)
Nuclear War / SST
13.  Brian Ritchie / Sun Ra Man From Outerspace
Sonic Temple & Court Of Babylon / SST
14.  Sun Ra / Nuclear War
Nuclear War / Y
11.  Speech Debelle / Blaze Up A Fire
Freedom Of Speech / Ninjatune
12.  MC 5 / Kick Out The Jams
Kick Out The Jams / Elektra
13.  Jefferson Airplane / We Can Be Together
2400 Fulton Street / RCA
14.  Martha Wainwright / Bloody Mother Fucking Asshole
Bloody Mother Fucking Asshole / Zoé
15.  Violent Femmes / Dance M.F. Dance
Add It Up (1981-1993) / Slash
16.  Nick Cave & The Bad Seeds / Stagger Lee
Murder Ballads / Mute
17.  Jimi Hendrix & The Band Of Gypsies / Machine Gun
Band Of Gypsies / Polydor