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Was ist Musik Black Gegenwart Wochen, Part II.

ByteFM: Was ist Musik vom 22.02.2015

Ausgabe vom 22.02.2015: Black Gegenwart Wochen, Part II.

So don't matter how much I say I like to preach with the Panthers
Or tell Georgia State "Marcus Garvey got all the answers"
Or try to celebrate February like it's my B-Day
Or eat watermelon, chicken, and Kool-Aid on weekdays
Or jump high enough to get Michael Jordan endorsements
Or watch BET cause urban support is important
So why did I weep when Trayvon Martin was in the street?
When gang banging make me kill a nigga blacker than me?
Hypocrite!
Kendrick Lamarr, The Blacker The Berry


“Der Black History Month wird in Kanada und in den Vereinigten Staaten alljährlich im Februar gefeiert. Dem Black History Month ging die „Negro History Week“ voraus, die in der zweiten Februarwoche gefeiert wurde. Diese Feierbewegung schwarzer Geschichte in den Vereinigten Staaten wurde 1926 von Dr. Carter G. Woodson initiiert, womit er die breite Öffentlichkeit auf den Beitrag von Afroamerikanern zur Geschichte ihres Landes aufmerksam machen wollte. Woodson wählte den Februar deshalb, weil in diesem Monat Abraham Lincoln, Frederick Douglass und Langston Hughes geboren wurden. Zur Gründungszeit des Black History Month wurde die Geschichte und Traditionen der schwarzen Bevölkerung kaum in Geschichtsbüchern behandelt. Die Darstellung Schwarzer in Geschichtsbüchern beschränkte sich auf ihren niederen sozialen Status. Viele schwarze radikale/nationalistische Gruppen, wie beispielsweise die Nation of Islam, haben den Black History Month kritisiert.“ Sagt Wikipedia.

Also Black Gegenwart & History
Am 21.2. ist der 50.Todestag von Malcolm X

Es ist vertrackt: Je mehr betont wird, dass Barack Obama der erste afroamerikanische Präsident der USA ist, desto mehr betont Obama, dass er der Präsident aller Amerikaner ist, desto weniger kann er der Präsident der Schwarzen sein, desto enttäuschter sind die Schwarzen von seiner Politik. Dabei sollte doch mit Obamas Wahlsieg 2009 ein neues Zeitalter anbrechen. Kein Mensch sollte mehr wegen seiner – oder ihrer – Hautfarbe benachteiligt werden. Willkommen in der post racial society! Wir wollen es hier beim amerikanischen Begriff racial belassen, 80 Jahre nach den Nürnberger Gesetzen ist Vorsicht geboten mit dem Worte Rasse. Überhaupt stößt man immer wieder auf Probleme beim Versuch, (afro-)amerikanische Diskurse ins Deutsche zu übertragen. „Alle, die sich auskennen, wußten, dass der Ausdruck post racial völliger Quatsch ist.“ Sagt Britta Waldschmidt-Nelson, die gerade die erste deutschsprachige Biographie von Malcolm X vorgelegt hat. Die stellvertretende Direktorin des Deutschen Historischen Instituts in Washington, D.C. kennt sich aus.

Britta Waldschmidt kommt 1965 in Dortmund zur Welt, sechs Wochen nach der Ermordung von Malcolm X durch Angehörige der Nation Of Islam in New York. Zu ihrem zweiten Nachnamen kommt Waldschmidt-Nelson als sie einen Amerikaner heiratet. So steht's im Lebenslauf. Was dort nicht steht: ob Mr. Nelson Afro-Amerikaner ist. Allein diese Frage verdeutlicht, wie weit wir entfernt sind von einer post racial Gesellschaft. Da schreibt eine Frau aus Deutschland ein Buch über Malcolm X und was denke ich als erstes? Die muss doch mit einem Schwarzen verheiratet sein. Britta Waldschmidt-Nelson lebt mit ihrer Familie in Washington D.C., wir treffen uns auf ein Interview in Erfurt, sie besucht hier eine Tagung. Beim Warm-Up-Kaffee eine Frage mit doppeltem Konjunktiv: „Fänden Sie es indiskret oder unkorrekt, wenn ich Sie fragen würde, ob Sie mit einem Schwarzen verheiratet sind“. Die Frau mit dem Doppelnamen lacht. „Nein, ich habe in Washington bei einem schwarzen Thinktank gearbeitet, da sind alle davon ausgegangen, dass ich mit einem Schwarzen verheiratet bin, bis sie dann den blue eyed white devil an meiner Seite gesehen haben.“ Blauäugiger weißer Teufel – die gängige Bezeichnung für die weiße Herrenrasse in separatistischen und schwarz-nationalistischen Kreisen, auch bei der Nation Of Islam. Noch etwas stellt Waldschmidt-Nelson richtig: „Ich würde Obama nicht als schwarzen Präsidenten bezeichnen. Er ist vielleicht der erste afroamerikanische Präsident, aber präziser wäre: bi-racial. Obama hat eine weiße Oma, von der er immer wieder spricht, ohne diesen Teil seiner Familie hätte er die Wahl nicht gewonnen.“ Eine weiße Oma? Wenn es um Hautfarben geht, dann gelten auch 50 Jahre nach der Ermordung von Malcolm X noch die feinen Unterschiede. Und je mehr man sich die Wirkmacht dieser feinen Unterschiede bewußt macht, desto unmöglicher wird es, über die USA zu reden, ohne über Hautfarben zu reden. Malcolm X sei das Lieblingskind seines tiefschwarzen Vaters gewesen, schreibt Waldschmidt-Nelson. Weil er die hellste Haut hatte. Von seinen sechs Geschwistern wurde Malcolm deswegen als Chinaman oder Eskimo gehänselt, auch wegen seiner graublauen Augen und dem roten Haar.

Waldschmidt-Nelsons Buch nimmt besonders die letzten Lebensmonate von Malcolm X in den Blick. Der schwarze Revolutionär hatte sich von der Nation Of Islam distanziert, aus dem anti-weißen Separatisten, der für black rights gekämpft hatte, war ein Universalist geworden, ein Fighter für einen linken Weltislam, für human rights. Damit veränderte sich auch seine Haltung zur Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King, die er lange vehement abgelehnt hatte. Sie waren „Gegenspieler“ gewesen, so der Titel eines älteren Buches von Britta Waldschmidt-Nelson über die beiden Protagonisten des schwarzen Amerika der Sechziger. King, der Baptist, der Pazifismus und Integration predigt, Malcolm X, der militante Separatist, der auch vor Gewalt nicht zurückschreckt. In den knapp zwei Jahren vor der Ermordung von Malcolm X 1965 kommt zu einer wechselseitigen Annäherung beider Positionen, ein geplantes Treffen mit King kann nicht mehr stattfinden. Beim Lesen von Waldschmidt-Nelsons Büchern stellt sich die Frage: Was wäre geschehen, wenn die beiden Männer nicht ermordet worden wären? „Es hätte punktuell zu einer konstruktiven Zusammenarbeit kommen können“, sagt die Historikerin, „in Fragen der Methode wären sie sich wohl nicht einig geworden, etwa beim Recht auf Selbstverteidigung.“

Heute würden Malcolm X und King die desolate Situation vieler Afroamerikaner bitter beklagen. Die schwarze Mittelschicht habe von der Bürgerrechtsbewegung profitiert, die große schwarze Unterschicht aber komme nicht raus aus dem Teufelskreis. Abgehängt in den heruntergekommenen, von den Weißen verlassenen Inner Cities, keine Jobs, letzter Ausweg Gangsterökonomie. Ein Viertel der afroamerikanischen Männer zwischen 18 und 28 landet im Gefängnis, wie einst der junge Malcolm X, der unter dem nom de guerre Detroit Red – die roten Haare – eine kriminelle Karriere absolvierte, die wohl weniger glamourös war, als er selbst es in seiner Autobiographie darstellt – und Spike Lee in seiner Verfilmung. Im Gefängnis liest Malcolm wie besessen, er bildet sich und tritt einer anti-weißen Sekte bei: der Nation Of Islam. Die 1930 gegründete NOI erzielt vor allem in den Gefängnissen phänomenale Rekrutierungserfolge. So weit wir wissen haben sich auch die islamistischen Attentäter von Paris und Kopenhagen in Gefängnissen radikalisiert. Britta Waldschmidt-Nelson: „Es gibt eine Parallele in der Projektion von Feindbildern, wobei die NOI eine dezidiert apolitische Organisation war. Separieren ist die Lösung, die Rache ist mein, spricht der Herr. Das unterscheidet die NOI von heutigen Islamisten, sie ist keine Terrororganisation.“ Auch von (afro-)amerikanischen Terrortouristen, die sich dem IS in Syrien angeschlossen hätten, hat Waldschmidt-Nelson noch nicht gehört. Dafür von einer Liaison, die wiederum in Europa kaum bekannt ist: dass die Nation Of Islam seit einiger Zeit mit der Scientology-Sekte zusammenarbeite.

Bis heute steht Louis Farrakhan an der Spitze der NOI, inzwischen 81 Jahre alt und schwer krank. Der einstige Protegé von Malcolm X war mit verantwortlich für dessen Tötung, so Waldschmidt-Nelson. Farrakhan steht für einen stramm antisemitischen Kurs, ein historischer Treppenwitz der tragischen Art. „Wenn man bedenkt, dass die meisten Weißen in der Bürgerrechtsbewegung Juden waren, dass zwei der drei Opfer der Ku Klux Klan-Morde 1964 in Mississippi jüdische Jungs waren...die NOI versucht nach wie vor die Frustration der schwarzen Unterschicht darauf zu lenken, dass die Weißen die Bösen sind und die Juden nochmal ganz besonders. Das hat sich bis heute gehalten.“ Den Soundtrack dazu liefern virile Rapper, die schon mal jews auf jewels reimen, wo die Juwelen sind, da sind die Juden nicht weit. Mit entsprechenden Motiven arbeiten hierzulande Bushido und Haftbefehl, unter anderen. Frauen dürfen bei der NOI inzwischen kleinere Führungspositionen übernehmen, so Waldschmidt-Nelson, Homosexualität bleibt verpönt. Und die post racial society? Catherine Harris-White vom queeren schwarzen HipHop-Duo Thee Satisfaction sieht das ähnlich wie die Malcolm X-Biographin. Schwierig sei das, „we live in one of the most racial times.” So viel race war selten.
Eine gekürzte Version dieses Textes ist am 21.2. in der BERLINER ZEITUNG erschienen

Do you remember Malcolm? Starring: Britta Waldschmidt-Nelson, Miriam Makeba, Boogie Down Productions, Gene Farris, Archie Shepp, Thee Satisfaction, Guillaume & The Coutu Dumonts, The Beatnigs, James Blood Ulmer, Wu-Tang Clan, Matana Roberts, D'Angelo, X-Clan…

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Playlist

1.  Malcolm X & Keith LeBlanc / No Sell Out
No Sell Out / On-U-Sound
2.  Miriam Makeba / Do you remember Malcolm?
Black & Proud Vol. 2 / Trikont
3.  Earl Sixteen / Malcolm X
Black & Proud Vol. 2 / Trikont
4.  Archie Shepp / Malcolm-Semper Malcolm
Fire Music / Impulse
5.  Thee Satisfaction / EarthEE (Ft. Shabazz Palaces)
EarthEE / Sub Pop
6.  Boogie Down Productions / Stop the violence
By All Means Necessary / Jive
7.  Gene Farris / Black History
Black History / Force Inc.
8.  Matana Roberts / Clothed To The Land, Worn By The Sea
Coin Coin Chapter Three – River Run Thee / Constellation
9.  Matana Roberts / JP
Coin Coin / Constellation
10.  Harold Melvin & The Blue Notes / Wake Up Everybody
Wake Up Everybody / Philadelphia International
11.  Wu-Tang-Clan / Better Tomorrow
Better Tomorrow / Universal
12.  D’Angelo & The Vanguard / 1000 Deaths
Black Messiah / Sony