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Was ist Musik Blue Eyed Soul Boy der Post Racial Pop Elite. Mit Skrupeln. (26.02.2017)

ByteFM: Was ist Musik vom 26.02.2017

Ausgabe vom 26.02.2017: Blue Eyed Soul Boy der Post Racial Pop Elite. Mit Skrupeln.

Nach dem Women´s March auf Washington am 21.Januar gab es noch ein Konzert von Sleater-Kinney im 9.30 Club. Zum Finale kommt Verstärkung auf die Bühne: Cecile Richards von Planned Parenthood, die Organisation hatte den March mitorganisiert, Matt Berninger von The National und Dave Longstreth (Dirty Projectors). Gemeinsam singen sie ein Lied, das älter ist als alle Anwesenden: „Fortunate Son“ von Creedence Clearwater Revival. „Ich bin kein Sohn aus wohlhabendem Haus, ich bin kein Senatorensohn“, den Refrain grölen alle mit, Fäuste fliegen, Wut in der Luft. Nur Dave Longstreth am rechten Bühnenrand wirkt irgendwie fehl am Platz. Linkisch schwenkt er den linken Arm, als brächte er es nicht fertig, ihn durchzustrecken und eine Faust zu ballen. Oder nicht über sich.

„Fortunate Son“ war schon ein Leitmotiv bei der Vote For Change-Tour 2004, dem gescheiterten Versuch, die Wiederwahl des Präsidentensohns George W.Bush zu verhindern. Ich sah damals John Fogerty, den Autor des Songs, beim Vote For Change-Konzert in einer Arena in Philadelphia. Mit seinem ewigen Karohemd sah er immer noch aus wie ein Trucker, kein Fortunate Son. Den Text hatte er aktualisiert: „I ain´t no president´s son“, zweitbester Moment des Abends, nach „Born to run“, Bruce Springsteens Mutter allen Stadionrocks. Hinterher in der Bahn, kernige Springsteen-Fans: ja, der Boss war super, aber wir wählen trotzdem Bush. Gelächter unter Männern.

Im Washingtoner 9.30 Club sind garantiert keine Wähler von Trump, dem Millionärssohn. Könnte allerdings gut sein, dass hier einige Fortunate Sons & Daughters das Lied vom Fortunate Son mitgrölen. Hält sich der Yale-Absolvent Dave Longstreth deshalb zurück? Fehlt ihm die Überzeugungskraft für so ein Testimonial: „I ain´t no senator´s son“? Oder ist es das Unbehagen an der Preaching To The Converted-Situation: zu einem 50 Jahre alten Song versichern wir uns gegenseitig, auf der richtigen Seite zu stehen. Dabei bräuchte es andere Musik, um der komplexen Gegenwart gerecht zu werden, scheint Longstreth zu denken, während sein linker Arm kraftlos rumschlenkert. (Fortsetzung am Sonntag bei Was ist Musik und in dieser oder jener Form in den aktuellen Ausgaben von Jungle World und WOZ)

Starring: Scritti Politti, Roberta Flack, The Beatles, Solange, Orange Juice

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Playlist

1.  Dirty Projectors / Winner Take Nothing
Dirty Projectors / Domino
2.  Dirty Projectors / Keep Your Name
Dirty Projectors / Domino
3.  Dirty Projectors / Up In Hudson
Dirty Projectors / Domino
4.  Roberta Flack / The First Time Ever I Saw Your Face
The First Time Ever I Saw Your Face / RCA
5.  Dirty Projectors / Work Together
Dirty Projectors / Domino
6.  Joni Mitchell / Dry Cleaner From Des Moines
Mingus / Reprise
7.  Prince / A Case Of You
Tribute To Joni Mitchell / Reprise
8.  Drake / Take Care
Take Care / Universal
9.  Dirty Projectors / Little Bubble
Dirty Projectors / Domino
10.  Scritti Politti / Gettin´, Havin´ And Holdin´
Songs To Remember / Virgin
11.  Dirty Projectors / Cool Your Heart
Dirty Projectors / Domino
12.  Solange / Don´T You Wait
A Seat At The Table / Universal