Searching For The Young Soul Rebels – Mods und die Musik. Die ByteFM Themenwoche

Am 7. April 1981 starb Kit Lambert, einer der frühen Manager von The Who.
Durch ihn und seinen Partner Chris Stamp wurde die Band zu einem der erfolgreichsten Rock Acts der britischen Musikgeschichte.
Mit der Band eroberte Mitte der 60er das (fabrizierte) Mod-Image von Pete Townsend & Co. die Welt.
Eine Jugendbewegung kam in Fahrt auf ihrem Weg von den Anfängen in der englischen Arbeiterklasse zur ewigen Stil-Ikonografie des Pop.
Heute ist das Mod-Erbe fester Bestandteil der Britpop Welt, ist „Heritage“ von Modemarken wie Fred Perry oder Ben Sherman und Identifikationsmerkmal für immer wieder neue Jugendbewegungen.

Anlass für uns, den Mods und ihrer Musik eine Themenwoche zu widmen.

Anfang der 60er entwickelt sich in der beginnenden Beat-Zeit in London eine Mode, die sich als „modernistisch“ versteht und durch extremes Stilbewusstsein auffällt. Eine irgendwie übertriebene Liebe zum modischen Detail, ein „sharp look“, vorzugsweise edle Stoffe und Schnitte aus Italien, geben Arbeiterkids aus East London eine eigene Identität.
Aus einer zunächst elitären Szene entwickelt sich eine Jugendbewegung und aus dem Gehabe der Hipster wird ein bis heute wirkendes System von mehr oder weniger definierten Zeichen.
Deutlichstes Symbol der Mods wird das sogenannte Mod-Target, eigentlich ein Zeichen der Royal Air Force.
Musikalisch beziehen sich Mods zunächst auf den „Modernist Jazz“ Sound und vor allem auf amerikanischen Rhythm&Blues, auf Soul Musik.
Nicht gefragt: Rock’n Roll, der Sound  der „anderen“, der Rocker.

Mit dem Beginn der Beatwelle, erweitert sich der Sound der Mods.
Bands wie The Who, die Small Faces oder The Kinks sind die frühen Gruppen, die der Bewegung einen eigenen Sound verschaffen.
Mitte der 60er erreicht die erste Mod-Phase ihren Höhepunkt. Es kommt zu den legendären Auseinandersetzungen zwischen Mods und Rockern, die sich wochenendweise Schlachten in den englischen Seebädern liefern.
Bald darauf wird der Mod-Stil von der Mode-Industrie vereinnahmt und die erste Ära der Mods geht zuende.
Ende der 60er entwickelt sich aus den Mods die Skinhead Bewegung, zunächst eine weiße Version der jamaikanischen Rude Boys mit entsprechenden musikalischer Vorliebe für Ska und Rocksteady Sounds.
Die musikalische Vorliebe zum Sound der frühen 60er wird in der Northern Soul Szene bewahrt, wo man sich in ritueller Manier zum regelmässigen Clubbing trifft.

In der zweiten Hälfte der 70er sind Mod-beinflußte Szenen die Vorreiter der heutzutage gängigen Retro-Trends.
Während sich andere als Punks neu erfinden, lebt bei einer Gruppe zunächst englischer Kids eine entgegengesetzte Liebe zum alten Stil auf.
Bekanntester Vertreter der Mod-Revivalisten wird der heutige „Modfather“ Paul Weller mit seiner damaligen Band The Jam.
Der Film „Quadrophenia“ nach der Konzeptplatte von The Who wird zum passenden Dokument für eine neue Generation Mods, die schnell auch in Deutschland, Italien und anderswo außerhalb Englands Fuß fasst.
Nebenher gründet sich mit dem Two Tone Label um Vordenker Jerry Dammers von der Gruppe The Specials eine britisch-multiethnische Post Punk Variante des Ska und setzt ebenfalls retro-moderne Trends.
Zusammen mit der ungebrochenen Liebe der Northern Soul Szene zu ihren „echten“ Sounds, die in den 80ern u.a. Einfluss auf die Warehouse Parties nimmt, ist seither eine dauerhafte Präsenz von Mod-Einflüssen in der Popkultur spürbar.
Die Acid Jazz Szene verkörpert Mod-Stil ebenso wie Teil der Britpop Superstars a la Blur und Oasis, Teile der Lounge und Easy Listening Trends der 90er bedienen sich einer Mod-Ästhetik.
Außerhalb Großbritanniens findet sich Modernistisches in vielen Clubs und bei diversen Labels, vom Hamburger Mojo Club oder den Düsseldorfer Unique Records bis zum Washingtoner ESL Label der Thievery Corporation, von den Japaner der United Future Organisation bis zum Stil des italienischen Jazz-DJ und Produzenten Nicola Conte.
Mittlerweile hat die Kultur der Soul-Weekender und Soul-Allnighter einen festen Platz in der deutschen Veranstaltungslandschaft und diverse Compilation-Reihen von Soul, Jazz oder Beat für Mods, Scooter Boys oder anders Mod-ifizierte ermöglichen jedem einen leichten Einstieg in die Sounds der Szene.
Neue Gruppen, die sich als Mod-Bands verstehen oder geben, oder deren Outfits, Videos oder Cover Mod-Symbolik verwenden , wachsen jedes Jahr nach.

Im Folgenden eine Übersicht über die Sendungen der ByteFM Themenwoche: „Searching For The Young Soul Rebels – Mods und die Musik“ vom 04. bis zum 10. April.

Montag 12:00 – 14:00 Uhr
Christian Tjaben mischt in der Canteen die Zutaten für die musikalische Inspriation der 60er Jahre Mods. Vom Jazz und Soul zu Ska und Rocksteady. Das ganze Zeug, das damals nicht bei der BBC lief, dafür aber in den Clubs der Szene.

Montag 14:00- 15:00 Uhr
Heinz-Jürgen Maassen konzentriert sich im Rock-Ola Special auf die Musik aus den Swinging Sixties, die die Mods zum Tanzen brachte. Starring: The Habits, The Attack, Steve Aldo, The Mark Four, The Poets, The Birds und natürlich dürfen die Small Faces,The Who und The Creation nicht fehlen.

Dienstag 13:00- 14:00 Uhr
Heinrich Oehmsen spielt im Heinrich Manoehver Musik aus allen Schaffensphasen von Paul Weller: Angefangen hat er mit The Jam, einem New-Wave-Trio, das 1977 mit „In The City“ den ersten Hit hatte. Nachdem er The Jam 1982 aufgelöst hatte, machte Weller zusammen mit Mick Talbot und dem Projekt The Style Council weiter. Seine Solkarriere startete Weller 1990. Er wurde zu einem der maßgeblichen Songwriter in Großbritannien und beeinflusste mit seinem Stil und seiner Haltung eine ganze Reihe junger Bands. Oasis, Ocean Colour Scene und Blur nennen Weller und The Jam als wichtigen Einfluss.

Mittwoch 14:00 – 15:00 Uhr
Reinhard Holstein zieht die Vintage Nummer und lotet aus, was die Mods damals goutierten und was nicht. Es wird sehr stylish. The Shakedown auf der Fährte des Mod-Jazz.

Donnerstag 00:00 – 01.00 Uhr
Als Gast-DJ hat uns Heiko Treasuresounds (Hamburg) für die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ein Mixtape zusammengestellt, das 60 Minuten klassischen Skindhead Reggae der Jahre 1968 – 72 featured.

Donnerstag 20:00 – 21:00 Uhr
Klaus Fiehe bestückt Karamba mit Mod/Northern Soul und steuert Anekdotisches bei: Richard Ashcroft und seine Mutter, das Wigan Casino; Auflegen mit Rocco Klein – wo sind die High Numbers? Erst die Skulpturen, dann die Musik – Billy Childish, Tim Warren + lovely Michaela.

Freitag 20:00 – 21:00 Uhr
Oliver Korthals betrachtet die Mod-Einflüsse der Acid Jazz Jahre und sucht für Out Of Spectrum in seiner Sammlung nach Musik von Galliano & Talkin‘ Loud, dem James Taylor Quartett, von Barry K. Sharpe & Diana Brown aber auch von The Style Council.

Samstag 14:00 – 15:00 Uhr
Henning Cordes stellt im Weichspüler die Frage,  Was ist Northern Soul? Als eigenes Genre ist er relativ schwer zu bestimmen, handelt es sich doch lediglich um eine Sammelbezeichnung für ursprünglich in Nordengland beliebte, tanzbare, meist rare Soulstücke. Wir suchen das ultimativ Britische im Un-Britischen.

Sonntag 20:00 – 22:00 Uhr
Klaus Walter klärt in Was Ist Musik darüber auf, was Dexy Music ist: Dexy klingt nach sexy, also irgendwie sexyer als Dexedrin. Dexedrin ist ein Medikament, das in Mod-Kreisen in den Sechzigern recht populär ist. Dexedrin beschleunigt, hält wach und schärft Sinne. Als Punk gegen Ende der 70er seine beschleunigende, wachhaltende und sinnenschärfende Kraft allmählich einbüßt, besinnt sich Kevin Rowland auf die Dexedrin-Geschichte. Mit seiner Band The Killjoys ist er nicht weit gekommen, der Schockeffekt des Bandnamens hat sich schneller verbraucht, als man Dexy sagen kann. Also besinnt sich gründet der Sohn irischer Einwanderer auf seine Jugendliebe zum Soul, gründet Dexy´s Midnight Runners, und landet mit einer Hommag auf den Soul-Shouter Geno Washington einen ersten Nummer Eins-Hit.
Das Album „Searching For The Young Soul Rebels“ folgt, darauf eine Hitsingle (!) mit der denkwürdigen Zeile: The only way to change things is to shoot men who arrange things! Musik von aufgeklärten (Post-)Mods für modaffine Soul Rebels?

Die ByteFM Themenwoche „Searching For The Young Soul Rebels –Mods und die Musik“ – vom 4. bis zum 10. April 2011.

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Diskussionen

5 Kommentare
  1. posted by
    achod
    Apr 4, 2011 Reply

    sehr sehr schön, dieser themenschwerpunkt.

    http://www.youtube.com/watch?v=WQFvNHAD9e4

  2. posted by
    Klaus
    Apr 4, 2011 Reply

    Tolles Thema, freue mich schon sehr auf viel Nothern Soul und natürlich auf die Sendung von Klaus Walter zu den Dexy’s Midnight Runners, die für mein Alltime-Favourite-Album, das eurer Themenwoche den Namen gab, verantwortlich sind.

  3. posted by
    Searching For the Young Soul Rebels – Rest in Peace Kit Lambert. Die ByteFM Themenwoche : ByteFM Magazin
    Apr 7, 2011 Reply

    […] Am 7. April 1981 verstarb Kit Lambert, Manager und Produzent von The Who im Alter von 45 Jahren. Hinter ihm lag ein Leben wie aus einem Comic über die Popgeschichte. Der Jahrestag seines Todes war der Anlass für die aktuelle ByteFM Themenwoche. “Searching For The Young Soul Rebels – Mods und die Musik” […]

  4. posted by
    “The Weekend Starts Here” – Ready, Steady, Go! brachte den Mod auf die Mattscheibe : ByteFM Magazin
    Apr 8, 2011 Reply

    […] Ein Beitrag zur ByteFM Themenwoche “Searching For The Young Soul Rebels – Mods und die Musik”. […]

  5. posted by
    A Northern Soul – wie die Mods zu Tänzern wurden : ByteFM Magazin
    Apr 10, 2011 Reply

    […] Ein Beitrag zur ByteFM Themenwoche “Searching For The Young Soul Rebels – Mods und die Musik”. […]

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