Zehn Fragen an: Heinz-Jürgen Maaßen (Rock-Ola & In Between Ears)

Foto von ByteFM Moderator Heinz-Jürgen Maaßen

Heinz-Jürgen Maaßen

Heinz-Jürgen Maaßen ist das, was man ohne Übertreibung ein ByteFM Urgestein nennen kann. Seit dem ersten Sendetag am 11. Januar 2008 führt uns unser Moderator mit seiner Sendung Rock-Ola durch die Frühgeschichte der Pop-Musik – und das jede Woche. Dass es ihm nicht nur Rock ’n‘ Roll, R ’n‘ B, Beat, Blues, Garage, Psychedelic, Surf und Folk angetan haben, beweist Heinz-Jürgen Maaßen außerdem mit seiner zweiten Sendung im Programm von ByteFM: In Between Ears liefert akustisches Ohrenfutter zwischen Jazz und Klassik. Wir haben mit dem ByteFM Moderator der ersten Stunde unter anderem über musikalische Erweckungserlebnisse und schwierige Musikbeschaffungsmaßnahmen in den 60er-Jahren gesprochen.

1. Lieber Heinz-Jürgen, wie bist Du zu ByteFM gekommen? Seit wann bist Du schon dabei?

Seit 2002 moderierte ich regelmäßig die Sendungen Rock-Ola und Bermuda Music beim Bermuda.Funk (Mannheim/Heidelberg). Als ich 2007 eine E-Mail von Ruben Jonas Schnell bekam, in dem die geplante Gründung von ByteFM angekündigt wurde, habe ich ihm einen Sendungsausschnitt geschickt und er war sofort interessiert – nicht zuletzt, weil eine vergleichbare Sendung wie Rock-Ola noch nicht im Programm war.

2. Was machst Du, wenn Du nicht bei ByteFM moderierst?

Seit vier Jahren bin ich nicht mehr berufstätig, habe also Zeit, meinen vielfältigen Interessen nachzugehen. Ich lese viel und klar, kulturelle Events (Konzerte, Kino, Theater, Kabarett etc.) sind für mich sehr wichtige Interessenfelder – alles wegen der Coronakrise auf Eis oder auf dem absterbenden Ast. Ich mache mir große Sorgen, dass die kleineren Institutionen, aber auch die Künstler und Künstlerinnen, Musiker und Musikerinnen etc. das nicht überleben.

3. Was bedeutet ByteFM für Dich?

„We’re only in it for the money”, hat Frank Zappa mal getitelt. Das aber ist gerade bei ByteFM genau anders: Menschen, die ihre persönliche Haltung zur und ihr Interesse an bestimmten Bereichen der Musik mit den Hörerinnen und Hörern teilen wollen und bei ByteFM auch können. Und die es nicht primär wegen „des Geldes“ machen, zeichnen dieses einmalige Projekt aus.

4. In Zeiten von Algorithmen und automatisierten Playlisten: Wie definierst Du ganz persönlich Deine Rolle als Moderator? Welchen Stellenwert hat moderiertes Radio für Dich?

Ich würde mich auch ohne Radio-Sendungen mit der Musik, die ich in meinen Sendungen spiele, beschäftigen und so lasse ich einfach die Hörer und Hörerinnen daran teilhaben – wenn sie denn wollen. Ich hätte schon gerne in den Sechzigern selbst Radio gemacht, aber es ergaben sich da keinerlei Möglichkeiten. Mit Rock-Ola schwelge ich in der Nostalgie und kann in meiner großen Sammlung nach vergessenen Schätzen trüffeln – hier steht der Unterhaltungsaspekt aber im Vordergrund, es sind auch schon mal die Hits von damals zu hören. Rock-Ola kann man beim Kochen, Bügeln, Frühstück, im Auto etc. hören.
In In Between Ears widme ich mich überwiegend Neuerscheinungen aus Jazz, World etc., die meiner Meinung nach entdeckt werden sollten. Im Normalfall bewerte ich sie nicht, die Wertung liegt schon in der Auswahl der CDs und auch der jeweiligen Tracks. In der Moderation beschränke mich meist auf Infos zu den Bands und Künstlerinnen und Künstlern und das Aufzeigen von Querverbindungen. Das alles geschieht auf rein subjektiver Basis, ist von persönlichen Stimmungen und Eindrücken und von dem Schwerpunkt der jeweiligen Sendung abhängig – nichts ist automatisiert.

5. Du moderierst seit dem 11. Januar 2008, dem Sendestart von ByteFM, die Sendung Rock-Ola, in der Du oftmals viele Jahrzehnte zurück an die Anfänge der Pop-Kultur reist. Erinnerst Du Dich noch an den Moment, der Dich zum Musikfan gemacht hat?

Ich erinnere mich, dass in den 50ern im WDR eine neue Sendung auftauchte: Chris Howland moderierte einmal in der Woche nach dem „Sandmännchen“ in gebrochenem Deutsch eine Musiksendung, in der neben den üblichen deutschen Schlagern öfter auch Hits aus den US-Charts zu hören waren (Rock ’n’ Roll, R ’n’ B, Doo-Wop usw.). Daneben sahen die deutschen Schlager bald recht blass aus. Die eigentliche Initialzündung war aber „Love Me Do“ von den Beatles – der Song hat mich umgehauen, das war etwas ganz Neues, genau für mich. Davon wollte ich mehr. Das war aber 1962 nicht so einfach. Schallplatten waren – falls überhaupt erhältlich – unbezahlbar (die Single kostete 5,- DM, die LP 18,- DM) und im deutschen Radio herrschte tote Hose. Lichtblicke gab es aber durch BFBS, das englischsprachige Abendprogramm von Radio Luxemburg, die niederländischen Sender (Radio Hilversum) und die Pirate-Stations (Radio Caroline, Radio London etc.), die aber nur verrauscht über Mittelwelle zu empfangen waren. Zu meinem Ärger haben die Moderatoren (Frauen gab es darunter keine) immer in die Musik gequatscht. Das mal als Gruselgeschichte für die jungen Fans von ByteFM.

6. Bereits im Juli 2009 ist mit In Between Ears Deine zweite Sendung bei ByteFM gestartet, in der Du häufig jazzige Schwerpunkte setzt. Wann hat Dich die Jazz-Leidenschaft gepackt?

Ein älterer Bruder eines Schulfreundes war Jazz-Aficionado und blaffte mich ob meiner Unkenntnis eines Tages an, ich solle mir Jazz doch mal richtig anhören. Im Amsterdam-Record-Shop in Duisburg erstand ich dann aus der Grabbelkiste die LP „Greatest Hits“ von Miles Davis für einen „Heiermann“. Nachdem ich die Platte mehrmals intensiv gehört hatte, war der Funke übergesprungen und ich hatte begriffen, dass es sich lohnt, sich mit jedweder Musik gerade jenseits der Kategorien „das gefällt mir“ oder „das ist Geschmacksache“ auseinanderzusetzen. Und das ist bis heute so geblieben.

7. Gibt es Ausgaben von Rock-Ola bzw. In Between Ears, die Dir in besonderer Erinnerung geblieben sind?

Bei ca. 1200 Sendungen, die ich bisher für ByteFM produziert habe, ist das schwer zu beantworten. Vielleicht der mehrteilige ByteFM Container zur Rolle der Musik in der politischen Auseinandersetzung um den Vietnamkrieg in den USA.

8. Was war das schönste Kompliment einer Hörerin oder eines Hörers?

Die Komplimente tun alle gut. In Erinnerung habe ich zum Beispiel ein einzelnes Wort eines US-Hörers als Reaktion auf diese Vietnam-Container-Sendungen: „Awesome“. Oder das Lob einer Hörerin der Rock-Ola Spezialsendung zu Dusty Springfield, die mich bat, doch mehr Sendungen über Frauen in der Rockmusik zu machen. Mit Big Mama Thornton habe ich jetzt angefangen, but there’s more to come.

9. Hast Du eine Lieblingssendung bei ByteFM bzw. eine Empfehlung für unsere Hörer*innen?

Ja klar: Golden Glades, Die Welt ist eine Scheibe, Standard, Urban Landmusik und alle die, die ich jetzt nicht genannt habe. Es lohnt sich auch, im ByteFM Archiv nach den leider bereits wieder eingestellten Sendungen zu forschen, zum Beispiel Rumble oder This Land.

10. Was wünschst Du Dir für die Zukunft, für Dich und ByteFM?

Ich gehöre wegen meines Alters zur Risikogruppe bzgl. einer Covid-19-Erkrankung und hoffe, dass ich gesund bleibe. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass die Pandemie nicht die Existenz der Kulturschaffenden ruiniert. Und natürlich, dass „The Best Radio Station Ever“ noch lange senden kann und eine stetig wachsende Zahl von Hörerinnen und Hörern begeistert.

Rock-Ola mit Heinz-Jürgen Maaßen hört Ihr wöchentlich, immer montags von 11 bis 12 Uhr. Akustisches Futter zwischen Jazz und Klassik liefert In Between Ears jeden Samstag von 13 bis 14 Uhr.

Bild mit Text: Förderverein „Freunde von ByteFM“

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Diskussionen

2 Kommentare
  1. posted by
    steve
    Aug 25, 2020 Reply

    Heinz-Jürgen kennt sich aus!!! Keep on Rocking

    Grüße aus Liverpool-Schwetzingen

  2. posted by
    Fuh
    Aug 25, 2020 Reply

    …und Heinz-Jürgen ist musikalisch (und nicht nur da!) sehr breit aufgestellt.

    Grüße aus Bonn

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