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School Of Rock Tracey Thorn

ByteFM: School Of Rock vom 04.04.2021

Ausgabe vom 04.04.2021: Tracey Thorn

Mit Songs, die es schaffen, komplexe Gefühlslagen auszudrücken und in Pop-Momente zu gießen, und einer Melodiösität und Stimme, die einen Bogen schlagen können von melancholischer Bossa-Nova-Schönheit bis zum spröden Charme englischer Kleinstadt-Reihenhäuser, ist Tracey Thorn eine Art Pop-Antistar geworden.

Vor 40 Jahren erschienen ihre ersten Aufnahmen. Damals als Teil der Marine Girls konnte Thorns unverwechselbare Stimme zunächst nur auf den 50 Exemplaren der 1981er Marine-Girls-Debüt-Kassette „A Day By The Sea“ vernommen werden, die die jungen Frauen (damals um und bei 19 Jahre alt) in einem Gartenhäuschen aufgenommen hatten.

Tracey Thorn war Teil einer Post-Punk-Generation, die als Fans von Bands wie Subway Sect, The Raincoats oder TV Personalities weniger für den Sound als für den DIY-Spirit des Punk standen, in dem es eben normal war, dass Thorn und die Marine Girls ihr „Handwerk“ quasi live vor Publikum erlernten.

Mit Veröffentlichungen zunächst beim Ur-Indie Cherry Red landete Thorn nicht nur mit ihrer ersten Band in der englischen Musikgeschichte. Als der Young-Marble-Giants-Gitarrist und Songschreiber Stuart Moxham 1983 das zweite und letzte Marine-Girls-Album „Lazy Days“ quasi per kompletter Nicht-Einmischung produzierte, waren bereits sowohl eine Solo-Platte von Thorn als auch die erste Single mit ihrem späteren Ehemann und musikalischen Langzeitpartner Ben Watt erschienen.

Unter dem Namen Everything But The Girl begannen die beiden 1982 mit einer akustischen Version von Cole Porters „Night And Day“ ihre Pop-Karriere, die die englische Musik der 80er- und 90er-Jahre prägen sollte. Während das Marine-Girls-Debütalbum „Beach Party“ später legendär von Kurt Cobain zur Lieblingsplatte erklärt und dessen selbstgemachte Lo-Fi-Ästhetik in den 1990ern zum neuen Ideal erkoren wurde, erreichte der sanfte Sound von EBTG in den frühen 1980ern u. a. die begeisterten Ohren von Musiker-Kollegen wie Elvis Costello, Martin Fry (ABC), Neil Tennant (Pet Shop Boys; damals aber noch Musikjournalist und großer EBTG-Supporter) oder Paul Weller, der die beiden zur Jam-Session und als Gäste auf das erste The-Style-Council-Album bat.

EBTG wurden zum Teil des britischen Jazz-Pop Hypes der frühen und mittleren 80er (irgendwo im meist flamboyant bis hochglanz-polierten Mix zwischen Sade, Matt Bianco, Working Week und Blue Rondo A La Turk war auch Platz für die eher schüchterne Thorn und den ernsten Watt), um im Verlauf der nächsten Alben von zeitgemäßen The-Smiths-Einflüssen über vollorchestrierte Poptunes bis zu einer recht seichten Rod-Stewart-Cover-Version allerlei Dinge in die englische Charts zu bringen, wo sie, nicht zuletzt unter dem Einfluss ihrer mittlerweile Major-Plattenfirma, als Album-Act langsam aber sicher vom hippen Kritiker*innen-Liebling zum Mittelklasse-Normalo-Mainstream-Softpop-Duo morphten.

Ein US-Top40-Hit mit entsprechend glatt gebügeltem Album und eine lebensbedrohende Immunkrankheit von Watt später tauchte Thorn Mitte der 90er in neuem Kontext auf, als fast zeitgleich der Todd-Terry-Remix des EBTG-Songs „Missing“ sowie der epische Titel-Track des zweiten Massive-Attack-Albums „Protection“ ihre Stimme auf die Nummer 1 der weltweiten (Dance-)Charts brachten und in die Trip-Hop-Geschichte einschrieben. Beides wurden prägende Musikmomente der Dekade. Es folgte noch ein EBTG-Drum&Bass-Hit und ein letztes EBTG-Album mit Watt, bevor sich Thorn zugunsten der gemeinsamen Familie mit Watt und inzwischen insgesamt drei Kindern ab 1998 vorübergehend aus der Musik zurückzog.

Inzwischen gibt es mehrere Thorn-Soloalben, regelmäßige Kolumnen in der englischen Presse und drei Bücher von Thorn, die mit der Rolle als Pop-Star immer fremdelte und zwischen den EBTG-Alben der späten 80er ihrem mit Auszeichnung abgeschlossenen Studium noch einen MA nachfolgen ließ.

Die School Of Rock folgt dem Weg der Musikerin aus dem Londoner Vorort Hatfield bis zur späten Karriere als Elder Stateswomen des Sophisti-Pop wie die Musik von EBTG in den 1980ern mal genannt wurde.

Kommentare

ChristianTjaben vor 3 Monaten
danke und gern geschehen, machinist!

machinist vor 3 Monaten
Danke für dieses würdige und hochinteressante Portrait von Tracey Horn. Dabei sind mir viele Stationen aus der Vergangenheit, in denen sie mir musikalisch begegnet ist, wieder in den Sinn gekommen. Schön!
Eingeloggte "Freunde von ByteFM" können Kommentare hinterlassen.

Kommentare

ChristianTjaben vor 3 Monaten
danke und gern geschehen, machinist!

machinist vor 3 Monaten
Danke für dieses würdige und hochinteressante Portrait von Tracey Horn. Dabei sind mir viele Stationen aus der Vergangenheit, in denen sie mir musikalisch begegnet ist, wieder in den Sinn gekommen. Schön!
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Playlist

1.  Marine Girls / Honey
Beach Party / Whaam!
2.  Tracey Thorn / Plain Sailing
A Distant Shore / Cherry Red
3.  Everything But The Girl / Night And Day
Pilows&Prayers / Cherry Red
4.  Everything But The Girl / Each And Every One
Eden / Blanco Y Negro
5.  Everything But The Girl / When All's Well
Love Not Money / Blanco Y Negro
6.  Everything But The Girl / A Country Mile
Baby, The Stars Shine Bright / Blanco Y Negro
7.  Everything But The Girl / Oxford Street
Idlewild / Blanco Y Negro
8.  Everything But The Girl / Driving
The Language Of Life / Blanco Y Negro
9.  Everything But The Girl / The Only Living Boy In New York City
The Only Living Boy In New York City E.P. / Blanco Y Negro
10.  Everything But The Girl / Missing (Mix: Album Version / Ultramarine Remix / Todd Terry Remix)
Amplified Heart / The Full Remix EP / Blanco Y Negro
11.  Massive Attack / Protection (7“ Edit)
Singles 90-98 / Circa/Virgin
12.  Everything But The Girl / Walking Wounded
Walking Wounded / Virgin
13.  Everything But The Girl / Downhill Racer
Temperamental / Virgin