Bobby Womack in sechs Songs

Foto des Musikers Bobby Womack bei seinem Auftritt auf dem Roskilde Festival im Jahr 2010

Bobby Womack (Foto: Bill Ebbesen, CC-BY-3.0, via Wikimedia Commons)

R&B und Soul verloren einen ihrer Väter, als Bobby Womack vor fünf Jahren starb. Der am 4. März 1944 geborene Sänger, Songschreiber und unterschätzte Gitarrist beeinflusste Künstler wie Jimi Hendrix und schrieb Hits für Soul-Stars wie Wilson Pickett und Joe Tex. Sein typisches minimalistisches Gitarrenspiel hört man auf Aufnahmen von Aretha Franklin, Janis Joplin und Alex Chiltons Box Tops; seinen Gesang bei Stevie Wonder und zuletzt bei Gorillaz. Wenn jemand „Soul-Stimme“ sagt, ist das meist eine Reklame-Worthülse, doch für Bobby Womack hätte der Begriff erfunden worden müssen. Wie auch für Sam Cooke, seinen größten Förderer, dem und dessen Familie Womack eng, aber auf ungewöhnliche Weise verbunden war. Am 27. Juni 2014 starb Womack im Alter von 70 Jahren zu Hause im kalifornischen Tarzana. Wir blicken zurück auf ein Leben, das von abrupten Brüchen, privatem Verlust und musikalischem Erfolg geprägt war.

The Valentinos – „Looking For A Love“ (1962)

Als Spross einer Baptistenfamilie wurde Womack streng religiös erzogen. Der Vater ermutigte seine Söhne, Musik zu machen und förderte Womack und seine Brüder in dieser Hinsicht, bis er spitz bekam, dass seine Jungs nicht nur Gospel, sondern auch weltliche Musik spielten. Nach dem Rauswurf der Gebrüder Womack aus dem Elternhaus war es der angesagteste R&B-Star, der sie nach Los Angeles holte und auf seinem SAR-Label veröffentlichte. Sam Cooke ermutigte die Band, sich in eine R&B-Richtung zu orientieren und sich von The Womack Brothers in The Valentinos umzubenennen. Ihre erste Single „Looking For A Love“ von 1962 war ein Mini-Hit.

The Valentinos – „It’s All Over Now“ (1964)

Heute würde man hinter der Aufnahme keine Soul-Legende vermuten; die Produktion würde zwischen den Low-Budget-Raritäten einer Northern-Soul-Party nicht als zu professionell hervorstechen. Zum Zwecke der Professionalisierung nahm Sam Cooke die Band ins Bootcamp, aus dem diese als ultra-tighte Einheit zurückkehrte. Die zweite Single wurde 1964 wurde ein Riesenhit. Allerdings für die Rolling Stones, die den Song gegen anfängliche Widerstände Bobby Womacks coverten. Die Briten hatten „It’s All Over Now“ im Radio gehört und waren derart begeistert, dass sie ihn keine zwei Wochen später selbst aufnahmen. Cooke musste Bobby Womack zur Freigabe der Komposition überreden. Nach der ersten Gewinnausschüttung wäre Womack bereit gewesen, Mick Jagger jeden seiner Songs covern zu lassen.

Bobby Womack – „What Is This“ (1968)

Als Sam Cooke im Dezember 1964 überraschend und unter bis heute ungeklärten Umständen erschossen wurde, erschütterte das die Popwelt und The Valentinos standen plötzlich ohne ihren Mentor da. Dass Bobby Womack nur drei Monate nach dessen Beerdigung Cookes Witwe Barbara heiratete, kam einem Karriere-Selbstmord gleich: Die R&B-Szene verachtete Womack als opportunistischen Emporkömmling, Fans wollten nichts mehr von ihm wissen und sein neuer Schwager verprügelte ihn. Die geplante Solo-Karriere wurde zugunsten weniger sichtbarer Aktivitäten auf Eis gelegt: Bobby Womack komponierte Top-Ten-Hits für Wilson Pickett (darunter „I’m A Midnight Mover“), spielte Gitarre für Ray Charles und ist auf Aretha Franklins Top-Ten-Album „Lady Soul“ zu hören. Erst 1968 war die Marke Bobby Womack soweit rehabilitiert, dass der Künstler auch unter eigenem Namen einen Hit landen konnte: „What Is This“ schaffte es in die US-amerikanischen R&B-Top-40. Erfolgreicher waren seine Interpretationen des Jazz-Standards „Fly Me To The Moon“ und des Westcoast-Pop-Songs „California Dreaming“ im selben Jahr, aber ein neuer Anfang war gemacht.

Bobby Womack – „Across 110th Street“ (1973)

Die 1970er-Jahre wurden Bobby Womacks bewegtestes Jahrzehnt, privat wie musikalisch, positiv wie negativ. Seine Ehe fuhr Womack an die Wand, als er eine Affäre mit seiner 18-jährigen Stieftochter Linda anfing. Barbara griff zur Pistole, als sie die beiden in flagranti erwischte. Fun Fact: Linda heiratete später Bobbys Bruder Cecil; musikalisch war das Paar in den 80er-Jahren als Womack & Womack erfolgreich. Doch zurück zu Bobby, der seine musikalischen Talente besser unter Kontrolle hatte als seine Hormone. Nicht nur seine Solo-Karriere ging steil: Als Session-Gitarrist wurde er von Größen wie Janis Joplin und George Benson gebucht.
Womacks wichtigste Zusammenarbeit der frühen 70er war aber sicherlich seine Beteiligung am heutigen Album-Klassiker „There’s A Riot Going On“ (1971) von Sly & The Family Stone. Das Psych-Funk-Pionierstück beeinflusste Womacks Kompositionen und Produktionen, und auch thematisch zeigte sich der Künstler wie die Sly-Stone-Clique als Teil einer selbstbewussten, politisierten Bewegung afroamerikanischer KünstlerInnen. 1973 nahm er den Soundtrack zum Blaxploitation-Film „Across 110th Street“ auf, der all diese Merkmale vereint und dessen Titeltrack so ikonisch wurde, dass er in Tarantinos Genre-Hommage „Jackie Brown“ eine prominente Rolle einnimmt.

Bobby Womack – „Love Has Finally Come At Last“ (1984)

Die Mitte der 70er-Jahre sollte ein finsteres Kapitel in Bobby Womacks Leben werden. Er hatte sich einen Status als etablierter Popstar erarbeitet und genoss diesen mit allem, was dazugehörte. Durch den Verlust seines Bruders Harry, der von seiner Freundin erstochen wurde, verlor Womack zeitweise die Kontrolle über sein Leben, sein Drogenmissbrauch nahm Überhand, er wurde depressiv und auch seine Karriere war am Ende. Womack nahm ein Country-Album auf, dessen Veröffentlichung er gegen den Willen seines Labels United Artists durchsetzte, das ihn eigentlich zum Disco-Star aufzubauen wollte. Beide Ansätze wurden versucht; beide gingen gehörig in die Binsen. Als er 1978 seinen vier Monate alten Sohn verlor, seine Ehe zerbrach und sein 1979er-Album floppte, nahm Womack eine Auszeit. 1981 kehrte Womack zurück, mit neuem Label, neuem Sound und dem Album „The Poet“, das von der Kritik gefeiert wurde und eine der bestverkauften R&B-Platten des Jahres war. Sogar in die Mainstream-Charts schaffte es die Single „Love Has Finally Come At Last“ vom Nachfolgealbum „The Poet II“ (1984) mit Patti LaBelle als Gastsängerin. Zur Zeit ihrer Veröffentlichung hatten sich Womack und das Label Beverly Glen bereits überworfen und mit der Zusammenarbeit endete auch Womacks letzte große kreative Phase.

Gorillaz – „Stylo“ (2010)

Nach ein paar zurecht weniger beachteten Alben bis Ende der 80er-Jahre hörte Womack auf, regelmäßig zu veröffentlichen. Zehn Jahre nachdem er das Gospel-Album „Back To My Roots“ herausbrachte, klopfte jedoch Damon Albarn an dessen Tür und bewegte den Musiker als Gastsänger am Gorillaz-Album „Plastic Beach“ mitzuwirken. Außerdem reaktivierte er der den Künstler für sein 27. und letztes Album „The Bravest Man In The Universe“, das im juni 2012 erschienen ist.

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