
Vom 20. bis 26. April 2026 feiern wir 50 Jahre Punk bei ByteFM
Vor etwa einem halben Jahrhundert kamen vier junge Männer aus Queens, New York auf die Idee, die harmoniesüchtige Pop-Musik ihrer Kindheit in einer neuen Form zu spielen: schneller, schlichter, schroffer und vor allem lauter. Ein ruppig in den Raum gebrülltes „One two three four“ später war ein neues Genre geboren. „Ramones“, das Debütalbum der gleichnamigen Band, zeigt die Dur-Akkorde eines Buddy Holly, heruntergebrochen auf simple, verzerrte Power-Chords. Die Sunshine-Pop-Melodien von The Beach Boys, verklärt durch aggressiven Gesang und Texte übers Klebstoff-Schnüffeln. Das kraftvolle Drumming des Garage-Rocks, aber mit dem Tempo und der Eleganz eines die Treppe zur U-Bahn herunterstürzenden Fahrradfahrers. Kurzum: All das, was wir heutzutage musikalisch mit dem Wort „Punk-Rock“ verbinden.
DIY, Widerstand und Repression
So geht die wohl einfachste Geschichte von der Geburt des Punk. Was nach (und auch vor) dem 23. April 1976, als besagtes Album erschien, passierte, ist viel komplexer, um es auf eine einzige LP herunterzubrechen. Schon Jahre vorher begannen Bands wie The Stooges oder MC5 in Detroit, Working-Class-Verzweiflung in knackige, dringliche Aggressionsmusik zu verwandeln. Noch ein wenig früher spielten Gruppen wie The Velvet Underground oder The Monks stoische, kaputte Rock-Musik, die heute gerne Proto-Punk genannt wird. Aber auch „Horses“, das Debütalbum von Patti Smith, das 1975 veröffentlicht wurde, legte mit seiner kaputten Dringlichkeit einen Grundstein für Punk und machte Smith zur „Godmother“ der Bewegung.
Nur kürzeste Zeit nach dem Debüt der Ramones brach auf der anderen Seite des Atlantik die erste Welle der UK-Punk-Bewegung, mit Bands wie Sex Pistols und The Clash, die mindestens genauso ikonisch mit diesem Genre verbunden sind. Parallel begannen schon früh viele von der verlässlich patriarchalen Geschichtserzählung vergessene weibliche und queere Acts, den Männerverein Punk-Rock zu untergraben. Kollektive wie Crass trieben schnell das politische Element der Musik auf die Spitze, das bei den Ramones so gut wie gar keinen Platz hatte. Und dann kam Ende des Jahrzehnts noch der Post-Punk um die Ecke, der mit demselben DIY-Ethos musikalisch alles möglich machte.
Die Geschichte des Punk ist natürlich genauso spannend wie kompliziert. Wir nehmen den 50. Geburtstag des Albums „Ramones“ zum Anlass zur Themenwoche „50 Jahre Punk“, in der wir diese komplexe Bewegung in ihrer Vielfalt feiern wollen. So wird beispielsweise Christian Tjaben in seiner Canteen „50 Jahre Fun“ servieren, vom ersten Gig der Sex Pistols bis zum HipHop, der ebenfalls von ihm beeinflusst wurde. Als Gast im ByteFM Magazin wird Jonas Engelmann vom Ventil Verlag, Herausgeber der Punk-Jubiläums-Anthologien „Bored Teenagers“ und „Angriff aufs Schlaraffenland“, einiges an historischem Kontext liefern. Christa Helbling wirft in ihrer Sendung Wellenlänge einen konzentrierten Blick auf die Schweizer She-Punks der Band Kleenex (bzw. Liliput), während Diviam Hoffmann in Ein Topf aus Gold einen umfänglicheren Blick auf die Punk-Herstory präsentieren wird. Geralf Pochop (Autor des Buchs „Tanz auf dem Vulkan – Widerständige Punk-Frauen in der DDR“) berichtet im ByteFM Magazin von der weiblichen Punk-Revolution in der DDR. Leif Gütschow reflektiert in Ausloten den Skate-Punk seiner Jugend. Und was Punk mit Reggae zu tun hat, das erfahrt Ihr in den Sendungen Forward The Bass und Planet Groove.
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Das Programm unserer Themenwoche:
P R O L O G
• Sonntag, 12. April: Schliemanns Soundbox mit Gregor Kessler – Northallerton Calling
Den Auftakt für die Punk-Feierlichkeiten machte Gregor Kessler bereits am 12. April. In seiner Sendung Schliemanns Soundbox warf er ein Schlaglicht auf die Provinz, wo sich die Idee mit den drei Akkorden und dem Ende der Helden vielleicht noch besser verfangen konnte als in den großen Metropolen. Auf dem Land brannte die Langeweile stärker, war das jugendliche Gefühl des Nicht-dazu-Gehörens allgegenwärtiger. Eine Ode an die Kleinstadt-Punks!
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Montag, 20. April:
• 12 Uhr: Canteen mit Christian Tjaben – 50 Years Of Fun
Canteen meets School Of Rock – zur ByteFM Themenwoche serviert die Christian Tjaben ein historisierend kuratiertes Menü: Ausgehend von zwei Kern-Events des Punk in Großbritannien im Jahr 1976 wird die Playlist mit allerlei Punk- und Post-Punk-Brit-Pop-Goodies (und Angrenzendem) bestückt.
• 14 Uhr: ByteFM Magazin – Jonas Engelmann im Gespräch
Das 50-jährige Punk-Jubiläum begeht der Mainzer Ventil Verlag in diesem Jahr mit zwei großen Anthologien bzw. literarischen Mixtapes: Während „Bored Teenagers“ (erschienen im März 2026) einen Blick auf die internationale Punk-Bewegung wirft, ist der zweite Teil „Angriff aufs Schlaraffenland“ (Erscheinungsdatum: 22. Mai 2026) eine umfangreiche Sammlung deutschsprachiger Punk-Songs. Herausgeber Jonas Engelmann ist dazu im Gespräch. Außerdem verlosen wir jeweils zwei Exemplare beider Anthologien!
• 17 Uhr: Kaleidoskop mit Alice Peters-Burns – Punk – mehr als ein Gefühl?
Lebt Punk überhaupt noch? Wenn ja, gibt es eine gemeinsame Linie oder gab es die jemals? Das fragt sich unsere Moderatorin Alice Peters-Burns. Die einzige Gemeinsamkeit selbst in der ersten Stunde war für viele Punks, etwas zu bewegen, ob nun in der Musik, der Mode oder auch in der Gesellschaft und Politik – darum nähert sie sich der Bewegung über die emotionale Ebene und frönt dem Geist des Aufbruchs, der Punk seit jeher innewohnt.
• 21 Uhr: Was ist Musik mit Klaus Walter – Part Time Punk Forever?
Klaus Walter schließt inhaltlich an unseren Magazingast Jonas Engelmann an und widmet sich schwerpunktmäßig dem Punk-Mixtape „Bored Teenagers“. Mit Beiträgen von Tobias Levin, Hans Nieswandt uvm.
• 23 Uhr: Wellenlänge mit Christa Helbling – Kleenex: von Zürich nach London
Kleenex (später Liliput) waren eine der international bekanntesten Schweizer Post-Punk-Bands. In der Wellenlänge betrachtet Christa Helbling ihr musikalisches Netzwerk, das von der Zürcher Punkszene bis hin zum Label Rough Trade in London reichte.
Dienstag, 21. April:
• 18 Uhr: Forward The Bass mit Karsten Frehe – Punky Reggae
In Forward The Bass stellt Karsten Frehe Songs vor, die das Thema „Punk trifft auf Reggae und umgekehrt“ hörbar machen. So veröffentlichte zum Beispiel das Kollektiv Dubmones 2025 sein Debütalbum, auf dem es Ramones-Klassiker reggaefizierte.
Mittwoch, 22. April:
• 17 Uhr: Verstärker mit Dirk Böhme – Boredom: Punk in Manchester
Mit Buzzcocks, The Fall und Joy Division gründeten sich drei von Verstärker-CEO D. Böhmes absoluten Lieblingsbands 1976 in Manchester und Umgebung. In der von der Wirtschaftskrise besonders schwer getroffenen nordenglischen Industriemetropole kamen nach der Punk-Explosion sehr unterschiedliche Bands zusammen, die in den Folgejahren den Post-Punk-Sound entscheidend mitprägen sollten.
• 21 Uhr: Sounds Outta Range mit Norman Müller – Punk-Funk
Norman Müller blickt in Sounds Outta Range auf eine äußerst tanzbare Mutation des Genres: den Punk-Funk. Ende der 70er- und in den frühen 80er-Jahren traf die musikalische Dringlichkeit des Punk plötzlich auf komplexere Groove-Strukturen. Post-Punk-Pioniere wie Gang Of Four oder die frühen Talking Heads zerlegten das etablierte Rocksong-Format und setzten es mit eckigen, dissonanten Gitarren und dominanten Basslines neu zusammen.
• 22 Uhr: Hidden Tracks mit Kai Bempreiksz – Swiss-Punk (1976–80)
Kai Bempreiksz knüpft in seiner Sendung an eine Ausgabe aus dem Jahr 2013 an, in der er sich ausführlich dem Swiss-Punk widmete. Zu hören sind unter anderem Rudolph Dietrich (u. a. Teil von Nasal Boys/Expo), Kurt Maloo (Troppo später Double) und auch Silvia Holenstein (Sängerin von Mother’s Ruin).
• 23 Uhr: Ein Topf aus Gold mit Diviam Hoffmann – Her-Story des Punk
Punk-Geschichten gibt es viele. Diviam Hoffmann erzählt die Her-Story des Punk, von The Slits, über Kleenex, Malaria und dem Tanz auf dem Vulkan bis zu Erregung Öffentlicher Erregung.
Donnerstag, 23. April:
• 0 Uhr: Die Vierte Wand mit Konstantin Unwohl – Die Vierte Punk
Anlässlich unserer Themenwoche unternimmt unser Moderator Konstantin Unwohl einen Streifzug durch seine musikalische Vergangenheit und spielt eine Selektion seiner Lieblingsstücke aus Punk und Post-Punk.
• 17 Uhr: Ausloten mit Leif Gütschow – Papp-Punk
Als Teenager war unser Moderator Leif Gütschow nicht-skatender Skatepunk. Im Discman lief der sogenannte „Melodycore“ von NOFX und Lagwagon, und Mama half beim Haarefärben. Der 90er-Pop-Punk von Labels wie Epitaph, Fat Wreck Chords oder auch Burning Heart Records ist seiner Ansicht nicht so gut gealtert, der pappig produzierte Punk der 1980er-Jahre von Angry Samoans, Germs, Vice Squad oder Descendents gefällt ihm aber immer noch.
• 19 Uhr: Mixtape der Hörer*innen mit Lars Florian Walklang – 50 Jahre Punk
Auch im Mixtape der Hörer*innen widmen wir uns der Bewegung, die weit über ihre Ursprünge in New York und London hinausgewachsen ist und in unterschiedlichsten Ausprägungen bis heute ihre Spuren hinterlässt und fragen Euch nach Euren Lieblingssongs aus 50 Jahren Punk.
Freitag, 24. April:
• 14 Uhr: ByteFM Magazin – Geralf Pochop im Gespräch
Geralf Pochop, 1964 geboren in Halle (Saale), war Ostpunk und als Wehrdienstverweigerer stets in Konflikt mit der DDR-Regierung. Nach einer Haftstrafe Ende der 80er engagierte er sich in der Untergrundkultur und hat im vergangenen Jahr sein drittes Buch zu dem Thema veröffentlicht: „Tanz auf dem Vulkan – Widerständige Punk-Frauen in der DDR“ – eine oral history, in der zahlreiche weibliche Protagonistinnen der Punkszene der DDR zu Wort kommen und ihre Geschichten von Widerstand und Repression erzählen.
• 18 Uhr: Karamba mit Klaus Fiehe – Diese westfälische Kleinstadt
Auch Klaus Fiehe kann sich schemenhaft an die Anfänge von Punk erinnern und liefert erheiternde Anekdoten aus den späten 70ern und frühen 80ern aus der westfälischen Provinz. Mit dabei: Songs von Sex Pistols, Chris Spedding, Hannes Wader (!) und vielen mehr.
• 20 Uhr: Planet Groove mit Johanes Paetzold – Punky Reggae Party
Reggae und Punk waren enge Bettpartner. Die Punks mochten die Rastas. Die Jamaikaner*innen verstanden das Rebellentum der Punks. Eine besondere Schnittstelle war Paul Simonon, der seine Kollegen bei The Clash mit Reggae-Riddims infizierte. Die legendäre Band The Ruts vermengte Punk-Riffs und Reggae-Offbeats miteinander. In Planet Groove hört Ihr Songs einer besonderen Liaison.
Samstag, 25. April:
• 17 Uhr: Tracks des Tages mit Henning Tudor-Kasbohm – Ein Wind von 1976?
Auch die Tracks des Tages, unsere tägliche Songempfehlung, stehen in dieser Woche ganz im Zeichen des Punk!
• 18 Uhr: Indigo mit Lukas Harth – Bakschischrepublik: Punk in der DDR
Punk aus Deutschland meint meist: Punk aus der BRD. Doch auch in der DDR formte sich zu Beginn der 1980er-Jahre eine Punkszene, klein und experimentell, die es in der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts noch ziemlich in sich hatte. Ausgegrenzt aus dem Kulturbetrieb, von der Gesellschaft abgelehnt und von der Stasi kriminalisiert und verfolgt. Wie sich das Image in der DDR änderte und Punkbands zum Schluss sogar auf dem Staatslabel Amiga groß rauskamen – das gibt’s in dieser Ausgabe Indigo.
• 20 Uhr: Electro Royale mit Martin Böttcher – Punk Goes Electro!
Wie viel Punk kann in der elektronischen Musik stecken? Die Bandbreite reicht von „gar kein Punk“ bis „mehr Punk als Punk selbst“. Und vor allem der zweite Aspekt spielt eine Rolle in dieser Spezial-Ausgabe von Electro Royale. Martin Böttcher spielt wilde elektronische Musik „with an attitude“.
Sonntag, 26. April:
• 12 Uhr: ByteFM Klassik mit Leonie Möhring – Frack & Nietengürtel
Auch ByteFM Klassik gratuliert zu 50 Jahren Punk – und spürt der Frage nach, ob sich nicht vielleicht schon vor 1976 Spuren des Geistes dieses widerspenstigen Genres finden lassen. Kann ein barockes Presto nicht auch irgendwie Hardcore sein?
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E P I L O G
Dienstag, 28. April:
• 23 Uhr: Elevator Music mit Tan LeRacoon – 50 Jahre Irritation im Namen des Rock ‘n‘ Roll
In Elevator Music beschäftigt sich Tan LeRacoon mit dem Anderen jenseits der Klischees, mit denjenigen, die Punk als Irritation verstanden haben, zwar als Aufschrei einer Jugend, aber auch als Kunstform. Sonische Abenteuer, als Möglichkeit mit wenigen Mitteln etwas „Anderes“ zu schaffen.
Samstag, 2. Mai:
• 23 Uhr: Eingefleischt mit Johnny Moonlight & Bart – 50 Jahre No Future! Paradoxon Punk
Auch in Deutschland kam der musikalische Befreiungsschlag mit einiger Verspätung an. Johnny & Bart präsentieren Euch in einem Deutschpunk-Special einen Querschnitt von den 1970ern bis heute.

Diskussionen
3 KommentareDennis
Apr. 21, 2026Moin und ein herzliches Dankeschön für diese wunderbare Punkwoche ! Ich bin begeistert über die Geschichten, Hintergründe, Moderationen – und natürlich die Musikstücke und deren Vielfalt !
Marcus
Apr. 26, 2026Was für eine Woche, ich bin total begeistert.
Da fühlt Mensch sich gleich wieder jung und an die guten alten Zeiten erinnert!
Glückwunsch allen Moderatorinnen und dem gesamten ByteFM Team
Hahnchris
Apr. 28, 2026Vielen Dank für diese Woche und eure gute Idee! Dabei Bands von denen ich noch nie gehört habe, sehr schön :-)! Ein paar mehr Subgenres hätte ich mir gewünscht, aber passt scho! Macht weiter so!