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Was ist Musik


Wöchentlich | Sonntag 19 - 20 Uhr

„Wir sind zusammen doch nicht allein, ein Lied kann eine Brücke sein, mit einem Rhythmus und einem Ton, verlier'n wir uns in der Illusion“, singt der Kölner House-Crooner Justus Köhncke und das klingt besser als es sich liest.

Der Refrain ist eine Frage: Was ist Musik?
Antworten in dieser Sendung.

Sweet Soul Music, Fast Money Music, Music is my hot hot sex, Roxy Music, Galoppmusik, Musical Youth, Music for evenings, Music for Airports, How I learned to hate Rock'n'Roll, I love Rock'n'Roll, This is Music added to my day, Funky Drummer, Im Alter fängt man an sich für Countrymusik zu interessieren, They can't take away our Music, Music sounds better with you, Hauptsache Musik, Elevator Music, Electric Guitars, Musik der frühen Jahre, Musical Drum Sound, I came to love the Music, Strings of life, Make your own kind of music, Verstärker, Music of my mind, We are ugly but we have the music.

Was ist Musik?

Alles.


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Genres:
Anything Goes


Sendung am 22.01.2017

Too much on my mind – zum Tod von Mark Fisher
Christian Werthschulte in der taz vom 16.1.:
Die Geister seines Lebens

Der britische Theoretiker Mark Fisher analysierte die Nostalgie der gegenwärtigen Popkultur als Zeichen einer verloren gegangenen Zukunft.

(…) In „Ghosts of my life“ von 2014 durchstreift Marc Fisher die Popkultur der Gegenwart auf der Suche nach den Überresten eines besseren Morgen. Im Dubstep von Burial hallt ihm die Euphorie seiner Erfahrungen auf Jungle-Raves nach, die englischen Riots von 2011 erkundet er mittels der Militanz der Filme des Black Audio Film Collective aus den mittleren 80ern. In einem großartigen Essay über Joy Division begreift er deren stilisierte Negativität als Vorhersehung eines depressiven Jetzt.

Wie Ian Curtis, der Sänger von Joy Division, war auch Mark ein Kind der britischen Arbeiterklasse, der dank des britischen Sozialstaats viel Zeit zum wilden Lesen hatte. Diese Herkunft konnte und wollte er niemals ablegen. Seinen ostenglischen Akzent hatte er sich an der Uni abtrainiert, seitdem konnte er die Privilegien des von der Mittelklasse geprägten Kulturbetriebs parodieren. Denn selbst als Mark längst Professor am Londoner Goldsmiths College war, hatte er das Gefühl, dort nicht wirklich hinzugehören.

Genau wie seine Klassenherkunft war auch die Depression eines der Gespenster, die ihn immer wieder heimgesucht haben. Sein letztes Buch „The Weird and the Eerie“ (2017) konnte er noch fertigstellen, für „Acid Communism“, sein Buch über die verlorenen Potenziale der Gegenkultur der 1960er, hat die Depression ihm die Kraft geraubt. Politisch ist er bis zuletzt Optimist geblieben.

Im Mai 2015 war Mark Fisher in Köln zu Gast. Die Labour Party, in der er Mitglied war, hatte kurz zuvor die Parlamentswahlen deutlich gegen David Camerons Tories verloren. Aber Mark war voller Energie. Für ihn war es der Beginn einer neuen Form von Organisation – ihm war klar, dass der neoliberale Flügel der Partei abgewirtschaftet hatte. Die Wahl Jeremy Corbyns zum Labour-Vorsitzenden durch eine neue Basisbewegung ein paar Monate später hat ihm recht gegeben.

Am Abend hat Mark in einer Bar einen Vortrag über Depressionen gegeben. Der Raum war voll, das Publikum saß ihm buchstäblich zu Füßen. Mark hat eine Stunde über Depressionen geredet und, wie immer, hat er dabei Theorie, Politik und seine eigenen Therapieerfahrungen so gemischt, dass sich ein Moment der Gegenwart eröffnete.

„Wann wird das Sprechen über Gefühle ein politischer Akt?“, fragt er in seinem mittlerweile veröffentlichten Vortragstext und antwortet: „Wenn es Teil einer Praxis der Bewusstseinsbildung ist, durch die die unpersönlichen und intersubjektiven Strukturen sichtbar gemacht werden, welche in der Regel von der Ideologie vernebelt sind.“

Am Freitag, den 13.1., hat sich Mark Fisher das Leben genommen. Er wurde 48 Jahre alt.


Mark Fisher:
„Es sollte an dieser Stelle bereits deutlich geworden sein, dass der Terminus Hauntology verschiedene Bedeutungen trägt. Es gibt den spezifischen, im Hinblick auf die populäre Musikkultur verwendeten Sinn, und ebenso gibt es die stärkere allgemeine Bedeutung, in der Hauntology sich auf Persistentes, Repetitives oder Präfiguratives bezieht. Und es gibt mehr oder weniger gutartige Varianten von Hauntology. Das vorliegende Buch wird sich zwischen diesen verschiedenen Bedeutungen bewegen. Das Buch handelt zudem von den Gespenstern meines Lebens, im hier Vorgetragenen gibt es daher notwendigerweise eine persönliche Dimension. Doch nehme ich das alte Motto »Das Persönliche ist politisch« als Aufforderung, nach den kulturellen, strukturellen und politischen Bedingungen der Subjektivität zu fragen. Die produktivste Art, das Persönliche politisch zu verstehen, ist, das Persönliche als nicht persönlich anzusehen. Es ist für uns alle elend, wir selbst sein zu müssen (und mehr noch, gezwungen zu sein, uns selbst zu vermarkten). Kultur und Kulturanalyse hat ihre Bedeutung nicht zuletzt dadurch, dass sie uns vor uns selbst zu entkommen erlaubt. Der Weg zu solcherart Einsichten war mühsam. Depression heißt der böse Spuk, der mein Leben lang an meinen Fersen klebt. (Ich verwende den Ausdruck Depression, um einen trostlosen, solipsistischen Zustand von der eher lyrischen – und kollektiven – Ödnis hauntologischer Melancholie zu unterscheiden.) In einem Zustand der Depression, der mir das alltägliche Leben kaum erträglich scheinen ließ, habe ich 2003 zu bloggen angefangen. Das Schreiben war verschiedentlich Teil der Auseinandersetzung mit diesem Zustand, und es ist kein Zufall, dass mein (bislang erfolgreicher) Ausweg aus der Depression mit einer gewissen Externalisierung von Negativität einherging: Das Problem ist nicht (nur) meines, sondern eines der gesamten Kultur um mich herum. Für mich steht fest, dass die Zeit von ungefähr 2003 bis heute, zumindest was die (Pop-)Kultur anbelangt, als die schlimmste seit den 1950er Jahren angesehen werden wird – und das nicht in irgendeiner fernen Zukunft, sondern schon bald. Die kulturelle Ödnis festzustellen heißt allerdings nicht, andere Möglichkeiten hätten nicht existiert. Dieses Buch ist ein Versuch, solchen Spuren nachzugehen.“ (Mark Fisher„Gespenster meines Lebens – Depression, Hauntologie und die verlorene Zukunft“, aus dem Englischen von Thomas Atzert, Edition Tiamat)

Dabei schlägt Fisher mühelos in wenigen Zeilen den Bogen von Kanye West über Britney Spears zu Suicide (die Band, nicht der Suizid). Der Suizid von Ian Curtis kommt vor im brillianten Kapitel über Joy Division.

Simon Reynolds:
My first encounter with Mark was actually unawares – I wrote a piece for Melody Maker about a group he was in called D-Generation, in which many of the ideas and themes that would obsess him in his later writing were rehearsed. But the phone interview was with another member of the group, Simon Biddell. Year later Mark shyly revealed that I had actually written about him, in effect, and I went back and checked the piece and there he was, in the photo. With long hair! But then we all had long hair in the early Nineties...

I first met Mark when doing a profile of the CCRU in the late Nineties, when he stood out – even in a milieu crackling with intellectual energy – for his eloquence and urgency. Already the hallmarks of his work were evident in his conversation and in the tracts he penned for CCRU publications: the lucidity, the rigour, the exuberance, the capacity and the compulsion to connect things across far-flung fields, the ability to focus in with vivid attention to aesthetic particulars and zoom out to the widest possible scope.


Owen Hatherley:
I met Mark for the first time in a pub, in north London, where there was a panel discussion launching Simon Reynolds's Rip it Up and Start Again. For a few years at this point I had been reading K-Punk, religiously, for writing of a sort that wasn't supposed to exist anymore, and that elsewhere, off the internet, largely didn't. Working as a filing clerk for T Brown and Sons Heating Engineers, I would use a proxy server to wait for, and then read, the latest K-Punk post, many of which had the same sense of anticipation that you would have waiting for a new record, the next episode of some sort of dream-serial. Then you'd be rewarded, when just under the document you were meant to be working on, you could bring out something like his essay on Joy Division, his account of Fleetwood Mac via John Le Carre, and later, his astonishing series on The Fall. These names might make it all sound like one of those Rock History magazines, but K-Punk involved an entire canon, one where Japan's 'Tin Drum', Visage's second album, Gladys Knight's 'The Way We Were' were of more import than the entire collected works of Bob Dylan.



KlausWalter vor zwei Wochen
Liebe Bettina, klar erinnere ich mich an die Wrangelconnection, schön, dass Du jetzt hier gelandet bist, viel Spass mit unserem Programm! Best, Klaus

Kopflos vor zwei Wochen
Liebe Bettina, Du warst nicht allein...

Bettina_Berlin vor drei Wochen
Lieber Klaus Walter, Wer hätte das gedacht: "Status Quo Vadis" ...wie lange habe ich das nicht mehr gehört und dann diese Stimme des Moderators... Zwischen Zeit und Ewigkeit... Ein Lichtblick... Musik für eine andere Wirklichkeit.... Lieber Herr Walter. Ohne Übertreibung kann ich behaupten, nicht nur in den 80ern Ihr größter Fan gewesen zu sein. Damals habe ich ALLE "der Ball ist rund" Sendungen auf Kassette aufgenommen + gefühlte 100 mal gehört. Diese Kassetten habe ich immer noch! Können Sie sich noch an die "Wrangelstraßen Connection" erinnern? Herzliche Grüße, Bettina Hirsch

tazredaktion vor 8 Monaten
stimmt, war mein fehler. tatsächlich wurden beide alben am todestag noch einmal bemustert, daher mein irrtum.

HoobsMcCan vor 8 Monaten
Hit 'n Run Phase One und Hit 'n Run Phase Two sind beide letztes Jahr in relativ kurzen Abständen als Stream und Download erschienen.

Kopflos vor 9 Monaten
Sehr sehr schöne Sendung. ... wie fast immer!

KlausWalter vor einem Jahr
danke für die blumen, freut mich.

senest vor einem Jahr
Wir haben eine ganz feine Sendung. Danke!

HoobsMcCan vor einem Jahr
Hallo Klaus, vielen Dank für die tolle Sendung, insbesondere für Take Five von Rico. Der Song ist mindestens so klasse wie die Tracks auf der Wareika Dub-LP, die ich vor einigen Jahren ergattern konnte.

KlausWalter vor einem Jahr
danke für die blumen, echt unterschätzte band.

bobstrummer vor einem Jahr
Danke, endlich wird diese große "vergessene" Band mal gewürdigt.
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